Zusammenfassung der Medienberichterstattung über die Folgen des Brandes der Wiesenhof-Schlachtfabrik in Lohne!

Abgebrannter Wiesenhof-LKW in Lohne.

Abgebrannter Wiesenhof-LKW in Lohne.

„Wir stehen leider erneut vor der belastenden Situation, dass wir einen Schlacht- und Verarbeitungsbetrieb durch einen Brand verloren haben.“ (5.4. neue oz)

Am 28. März am Ostermontag 2016 brannten mehrere Hallen einer Schlachtfabrik im Niedersächsischen Lohne bis auf die Grundmauern nieder. Die Schlachtfabrik war zu dem Zeitpunkt die größte der insgesamt 13 Schlachthäuser und Zerlegebetriebe der PHW Gruppe (Marke Wiesenhof). Nach Informationen der Feuerwehr brach das Feuer um 13.00h aus, leicht verletzt wurde ein Wiesenhof-Mitarbeiter und ein Mitarbeiter der Feuerwehr. Lebende Tiere waren nicht in der Fabrik. Bereits zwei Tage zuvor wurden mehrere Arbeiter*innen nach Hause geschickt und eine Halle geräumt, da es zu einem Austritt von Ammoniak gekommen ist. Anfang des Jahres haben die Betreiber*innen der Schlachtfabrik vom Gewerbeaufsichtsamt die Genehmigung bekommen die Schlachtfabrik auszubauen, um dort in Zukunft 430.000 Hühner täglich töten zu können. Damit wäre die Schlachtfabrik größer als die des Konkurrenten Rothkötter in Wietze bei Celle. Die Schlachtfabrik von Rothkötter gilt mit ihren Kapazitäten 400.000 Hühner täglich töten zu können als der größte Geflügelschlachthof Europas.

Kurz nach dem Brand der Schlachtfabrik entbrannte der wohl größte Konflikt zwischen der Gewerkschaft NGG und der Führungsspitze des Unternehmens, in der Firmengeschichte der PHW-Gruppe. Der konkrete Hintergrund des Konfliktes war die Bekanntgabe der fristlosen Kündigung von mindestens 523 Mitarbeiter*innen, da die Versicherung nicht bereit war für die Folgeschäden des Brandes aufzukommen. Vor dem Brand arbeiteten 1.600 Arbeiter*innen davon 700 Festangestellte in dem Betrieb. Leider streitet die NGG nur für die festangestellten Arbeiter*innen und nicht für ihre unorganisierten Kolleg*innen, die über Leiharbeits- und Werkverträge beschäftigt wurden. Wiesenhof, die NGG und der Betriebsrat einigten sich nach drei Monate andauernden Verhandlungen darauf das von den Ursprünglich 750 festangestellten vorerst nur 213 bleiben werden. Die Entlassenden (festangestelten) Arbeiter*innen erhalten eine Abfindung und eine 36 Monate geltende Wiedereinstellungsgarantie.
Von Seiten der lokalen Kirchengemeinde kam es zu einer Solidarisierung mit den Werkvertragsarbeiter*innen. Nachdem die Versicherungsgruppe Hannover (VGH) bekannt gab, dass es durch den Brand zu einem Schaden von 300 Millionen Euro kam, kündigte sie dem Unternehmen und verlautete, dass sie nach zwei Bränden der PHW-Gruppe innerhalb von zwei Jahren nie wieder ein Unternehmen der PHW-Gruppe versichern werde. Die SPD und die CDU solidarisierten sich hingegen mit der PHW-Gruppe und sicherten ihr ihre Unterstützung zu.

Der Brand in Lohne war bereits der zweite Brand in einer Schlachtfabrik von Wiesenhof innerhalb von 12 Monaten. 2015 brannte die Schlachtfabrik des Tochterunternehmens der PHW-Gruppe „Donautal Gefügelspezialitäten GmbH“ im bayerischen Bogen komplett nieder. Da sich zu dem Zeitpunkt keine Menschen und Tiere dort aufhielten, wurde hier niemand verletzt.
Der folgende Artikel beinhaltet eine Zusammenfassung der Berichterstattung über den Brand in Lohne zu folgenden Punkten:
Brandursache, wirtschaftlicher Schaden, Massenentlassungen, Situation der Tiere, Hilfe der Regierenden und Betriebsbeginn.

Brandursache
Der Brand wurde durch ein defektes Kälteaggregat ausgelöst.

Da die Aufräumarbeiten sich sehr lange hinzogen und das betreten der teilweise eingestürzten Hallen sehr gefährlich war, waren die Brandbegutachter*innen der Polizei auch anderthalb Monate nach den Brand noch zu keinem Ergebnis gekommen. (Quelle: ndr 13.5.)

Am 15. Juni gab der NDR bekannt, dass die Ermittlungen von Polizei und einem externen Sachverständigenbüro zu dem Ergebnis gekommen sind, dass der Brand durch ein defektes Kälteaggregat ausgelöst wurde, dieses war an den Trapezblechen der Dachhaut befestigt und sei, nachdem es sich entzündete, in die Halle gefallen. Der Brand ist, heißt es indem Ermittlungsbericht, in einem Altbau ausgebrochen, der über keine automatischen Anlagen verfügte, die Brände erkennen, löschen und Alarm schlagen können. (quelle: 15.6. 2016 ndr)

Wirtschaftlicher Schaden
Die VGH ist nie wieder bereit einen Betrieb der PHW-Gruppe zu versichern.

Ein Versicherungskonsortium zu dem auch die Versicherungsgruppe Hannover (VGH) gehört gaben am 3. Mai bekannt, dass durch den Großbrand auf dem Wiesenhof-Gelände und den dadurch verursachten Betriebsausfall zu einem Schaden von rund 300 Millionen Euro gekommen ist. Der VGH müsse den Angaben zu folge 21 Millionen Euro zahlen. Der Haftpflichtverband der Deutschen Industrie müsse noch mehr zahlen, wie viel genau ist immer noch unklar. Nach Angaben von Wiesenhof erklärt sich keine der Versicherungen bereit für anfallende Löhne zu zahlen, weshalb das Unternehmen gezwungen ist massenweise Arbeiter*innen zu entlassen. Für den VGH ist das das zweite Mal innerhalb von 12 Monaten, dass er wegen eines Brandes innerhalb einer Wiesenhof-Schlachtfabrik Schäden im zweistelligen Millionenhöhe zahlen muss. Nach dem Brand in Bogen musste das Versicherungsunternehmen 18,5 Millionen Euro an Wiesenhof zahlen. (quelle ndr 3. und 4. 5.)

Laut der Nord West Zeitung ist die VGH nie wieder bereit einen Betrieb der PHW-Gruppe zu versichern und kündigte dem Unternehmen. (quelle 3.5. neue oz)

Auf Nordbayern.de wurde am 2. April berichtet das „dem Nürnberger Volksfest“ durch den Brand in Lohne kein Mangel an „Hähnchenbraten“ von Wiesenhof drohen wird. „Richtig eng“ könne es nur werden, wenn das Oktoberfest in München und der „Cannstatter Wasen“ zusammenfallen.

Massenentlassungen
„Ich hoffe, dass wir die Kollegen wieder in Lohn und Brot bringen“ (Matthias Brümer NGG-Sekretär, 16.6.)

Den größten Umfang der Berichterstattung machten die Nachrichten der Massenentlassungen aus.
Am 4. April, 7 Tage nach dem Brand, gab das Hamburger Abendblatt bekannt, dass eine Leiharbeitsfirma, die zuvor Arbeiter*innen an die Schlachtfabrik in Lohne vermittelte, bei der Arbeitsagentur Vechta einen Antrag auf Entlassung von rund 200 Arbeiter*innen, die bisher als „Produktionshelfer“ bei Wiesenhof beschäftigt waren, gestellt hat. Der Sprecher der Arbeitsagentur, Frank Halbsguth, sagte gegenüber dem hamburger Abendblatt, da einige Arbeiter*innen bereits schon weitervermittelt wurden, werden es wohl weniger Arbeitslose als beantragt. (4.4. Hamburger Abendblatt)
Der Arbeitsrechtler Johannes Brinkus aus Cloppenburg sagte am 31. März der Nord West Zeitung gegenüber „Besonders hart würden die Kündigungen, die überwiegend aus Osteuropa stammenden, rund 450 Leih- und Werkvertragsarbeiter treffen.“ Die Arbeiter*innen würden lediglich eine kleine Abfindung erhalten, die sich an der Dauer ihres Vertrages bemesse. Der Betriebsrat kann nur für die Stammbelegschaft verhandeln und nicht für die Leih- und Werkvertragsarbeiter*innen. „Sie sind im Grunde der Willkür ihres Arbeitgebers ausgeliefert“, so Brinkus.“ (31.3. nwz)
Längere Zeit war es unklar wie viele Arbeiter*innen mit welchen Verträgen entlassen wurden.

Am 4. April wurde im NDR darüber berichtet, dass die Zukunft der 800 Mitarbeiter*innen der Stammbelegschaft ungewiss ist. Das Wiesenhof Subunternehmen „Pro Work“ beschäftigte vor dem Brand 369 Produktionshelfer*innen. Da dem Unternehmen nun die Insolvenz droht, beantragten sie bei der Agentur für Arbeit die Aufhebung der vier Wöchigen Entlassungssperre. Um die übrigen Arbeitsplätze zu erhalten sei dies „zwingend nötig“. Nach den Angaben von „Pro Work“ gibt es bei ihnen kein Betriebsrat. (4.4. ndr) Am 6. April berichtete der NDR, dass 219 der 369 Arbeiter*innen von „Pro Work“ entlassen wurden.
Das Subunternehmen „Pro Work“ war aus der Firma „ZVS Verpackungsservice GmbH“ hervorgegangen und hatte seinen Sitz auf dem Schlachthofgelände in Lohne. Geschäftsführer der Unternehmen war der ehemalige Prokurist von Wiesenhof, Frank D. Zur Zeit läuft ein Verfahren vor dem Landgericht Oldenburg wegen illegaler Arbeitnehmerüberlassung gegen Frank D. Die Nordwest Zeitung vermutet, dass die Hauptverhandlung 2017 eröffnet wird. (15.4. nwz)
Die Chefetage der Oldenburger Geflügelspezialitäten GmbH und der PHW-Gruppe äusserten sich zunächst kaum zu dem Brand und den entlassenen Arbeiter*innen. Am 6. April sprach die neue Osnabrücker Zeitung mit einigen Arbeiter*innen, die vor einem Treffen der NGG und Ministern der Niedersächsischen Landesregierung im Lohner Rathaus warteten.

Eine*r der Werkvertragsarbeiter*innen sagte der Zeitung:
„Erst hieß es, nächste Woche geht es weiter. Dann nächsten Montag. Und jetzt in zwei Jahren. Wir wissen einfach gar nichts“. Ihm ist noch nicht gekündigt worden. Viele der Arbeiter*innen sind schon lange hier, haben sich ein neues Leben aufgebaut. Die Kinder gehen in den Kindergarten oder die Schule. Sie haben sich eigene Wohnungen gemietet. „Aber im Moment wissen wir nicht einmal, ob wir überhaupt noch Geld bekommen“, sagt eine andere Arbeiterin. (6.4. neue oz)
Am 8. April hingegen äußerte sich Peter Wesjohann – Leiter der PHW-Gruppe – gegenüber „top agrar“ zynisch mit den Worten „Das sind schwere Tage für alle unsere Mitarbeiter, sowie für meine Familie“, er dankte dem Engagement der Angestellten und schwafelte weiter „Wir bedauern aber, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt leider noch nicht verbindlich sagen können, wie viele Arbeitsplätze wir zukünftig erhalten können. Ganz sicher werden wir aber weiterhin alles tun, um so viele Arbeitsplätze wie möglich zu retten“.
„Ein rechtloses und asoziales System“ titelte der NDR hingegen am 12. April. Dieser Artikel ist einer der wenigen, in dem es nicht nur um bloße Zahlen und für viele Menschen kaum greifbare Begriffe wie Arbeitslosigkeit geht, sondern um konkrete Schicksale entlassener Arbeiter*innen. So kommt Monica, die bei einen Subunternehmen von Wiesenhof angestellt und für die Verpackung von „Hähnchen“ zuständig war, zu Wort und berichtet darüber, dass sie seit ihr gekündigt wurde nicht mehr essen und nicht mehr schlafen könne. Mit dem Geld habe sie ihre Familie in Rumänien unterstützt und ihrer Tochter unter anderem das Studium finanziert. Andere berichten über die schlechten Zustände in den überfüllten Unterkünften. Zustände, die sich trotz versprechen von Politiker*innen der SPD und Wiesenhof, seit jahren nicht zu ändern scheinen. Der Subunternehmer teilte dem NDR auf Nachfrage mit „Jeder habe sein eigenes Bett gehabt“.

Matthias Brümmer von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) kommentiert die Situation mit folgenden Worten: „Wenn die Beschäftigten alle im Unternehmen Wiesenhof beschäftigt wären, dann wären Entlassungen erst möglich gewesen nach Einigung mit dem Betriebsrat im Rahmen eines Sozialplans, aber jetzt bereits trennt man sich schon von einem Großteil und das zeigt auch, wie rechtlos und wie asozial dieses System ist.“ (12. 4. 2016 ndr)
In der Auseinandersetzung zwischen der NGG und Wiesenhof ging es zunächst um die Frage hat sich das Unternehmen ausreichend versichert, um im Falle von Dienstausfällen, die Löhne der Festangestellten weiter zahlen zu können.
Aus einem Bericht der am 12. April beim „Versicherungsbote“ erschienen ist geht hervor, dass Wiesenhof sich nicht ausreichend mit einer Betriebsunterbrechungsversicherung für seine Arbeiter*innen vorgesorgt hat. Wiesenhof äußerte sich gegenüber dem Magazin (?) erstmals zu der Situation mit den Worten „die Löhne sind nicht annährend finanziell gedeckt“.
Die PHW-Gruppe hatte zwar eine entsprechende Versicherung abgeschlossen. Allerdings wurde die Versicherungssumme nicht hoch genug gewählt, um einen Schaden in diesem Ausmaß abzusichern.
Weiter hält sich das Unternehmen wie gewohnt bedeckt: „Nähere Angaben, wie viele Arbeitsplätze wir für unsere Beschäftigten sichern können, können wir erst nach den Gesprächen mit den Sozialpartnern formulieren.“ Und schob die Verantwortung gegenüber der 450 Leih- und Vertragsarbeiter*innen auf die Subunternehmer ab. (12.4. Versicherungsbote)
Nachdem knapp drei Wochen vorher Vertreter*innen der PHW-Gruppe einem Treffen von der NGG, der Arbeitsagentur für Arbeit und dem Niedersächsischen Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) über die Zukunft der Arbeiter*innen, einfach ferngeblieben sind (26.3. ndr), kam es am 14. April zu der ersten Gesprächsrunde über die Zukunft der Arbeitsplätze zwischen den Gewerkschaftern der NGG und den Geschäftsführern der Schlachtfabrik.

Die NGG hat das Gespräch nach eigenen Angaben abgebrochen, da das Unternehmen nicht mit allen Daten und Fakten herausrückte. Der Betriebsrat und die Gewerkschaft haben der PHW-Gruppe einen Fragenkatolog vorgelegt und erklärten sich erst bereit über einen neuen Gesprächstermin zu reden, wenn dieser beantwortet ist. Solange müsse der Lohn für die 750 Festangestellten weiter gezahlt werden. (14.4. ndr)
Da der Konflikt zwischen Betriebsrat und Gewerkschaft auf der einen und dem Unternehmen auf der anderen Seite immer weiter zu eskalieren drohte, wurde unter „neutraler“ Leitung des früheren Bundesarbeitsrichters Horst-Dieter Krasshöfer aus Erfurt weiter verhandelt. (4.5. ndr)
Erst am 6. Mai konnte der Betriebsrat unter Vermittlung des ehemaligen Richters erstreiten Einsicht in die Versicherungsunterlagen der PHW-Gruppe zu erlangen. Zusätzlich darf der Betriebsrat eine*n Wirtschaftsprüfer*in auf Kosten des Konzerns engagieren. Der*Die Wirtschaftsprüfer*in soll die Unterlagen prüfen, um Wiesenhof Gegenvorschläge für die Kündigungen zu unterbreiten.
Seniorchef Paul-Heinz Wesjohann nahm persönlich an den Verhandlungen teil. (6.5. nwz)
Matthias Brümmer sagte in einem Gespräch mit der neuen Osnabrücker Zeitung am 2. Mai, er habe schriftlich, dass bei den Festangestellten bis zu 500 Stellen gestrichen werden sollen. „Die Arbeitgeberseite will offensichtlich partout ihr Stammpersonal loswerden.“
Wiesenhof-Sprecherin Maria Große Böckmann teilte der Tageszeitung hingegen mit: „Die Vermutung der NGG, unsere 750 festangestellten Mitarbeiter und Miarbeiterinnen würden zukünftig vollständig durch Leih- oder Werkvertragsarbeiter ersetzt werden, ist falsch.“ (2.5. neue Osnabrücker Zeitung)

Am 3. Mai äußerte Brümmer dem NDR gegenüber die Vermutung, dass Wiesenhof mit falschen Zahlen hantierte um „die Beschäftigten in Unruhe zu versetzen wie auch die Verhandlungskommission des Betriebsrats“. Laut Wiesenhof arbeiten seit Ende April in den nicht abgebrannten Gebäudeteilen der Fabrik nur noch 350 Menschen. Gewerkschafter*innen der NGG zählten hingegen 1.000 Arbeiter*innen. „Wir haben in der vergangenen Woche mehrmals durchzählen lassen und es waren jedesmal knapp über 1.000 Mitarbeiter auf dem Gelände. Die Arbeit machen Billigarbeiter, während Wiesenhof die teuren Festangestellten zuhause lässt““ sagt Brümmer dem NDR. Die Gewerkschaft geht davon aus, dass mehrere Hundert Leih- und Werkvertragsarbeiter*innen in Lohne arbeiten, obwohl die beurlaubten Festangestellten erstmal weiterhin Lohn von der Versicherung bekommen. Brümmer vermutet dahinter einen Trick, um den Betriebsrat dazu zu bringen sich von mehr Festangestellten zu trennen.
Wiesenhof hingegen weist die Vorwürfe zurück Laut einer Unternehmenssprecherin stimme es nicht das 1.000 Abeiter*innen in der Schlachtfabrik beschäftigt sind. Zudem wies sie den Verdacht der NGG, das, dass Unternehmen in Zukunft vorallem auf Leih- und Werkvertragsarbeiter*innen setzen wird, zurück. Auch für den Wiederaufbau wird sich das Unternehmen an die für Lohne geltende Betriebsvereinbarung halten. Die Vereinbarung beinhaltet das 60% der Mitarbeiter*innen fest angestellt sein müssen. (3.5. ndr)
Nach NDR Informationen wird in internen Kreisen von Wiesenhof nicht mehr bestritten, dass deutlich mehr als die offiziell angegebenen 350 Arbeiter*innen derzeit in Lohne beschäftigt sind. Wiesenhof gibt auch nach dem dritten Verhandlungstag des Einigungsstellenverfahrens an, dass sie einen Großteil der fest angestellten Mitarbeiter*innen entlassen werden müssen. Betriebsrat und Gewerkschaft fordern, dass die Stellen der 750 Festangestellten erhalten bleiben. (23. 5. ndr)

Die deutsche Presseagentur gab am 6. Juli eine Mitteilung heraus in der sie von dem Ergebnis der Einigung zwischen Wiesenhof, NGG und Betriebsrat berichteten. Von den Ursprünglich 750 Festangestellten werden vorerst nur 213 beschäftigt bleiben. Die entlassenden Arbeiter*innen erhalten Abfindungen. Der Betriebsratsvorsitzende Zafer Babacan kommentierte den Ausgang der mehr Monatigen Verhandlung mit den Worten: „Die Vereinbarung tut sehr weh. Es sei aber der bestmögliche Kompromiss gefunden worden“ (6.7. tageblatt)
Desweiteren enthällt der Sozialplan eine 36 Monate geltende Widereinstellungsgarantie zu am Kündigungszeitpunkt bestehenden Konditionen. Paul Heinz Wesjohann von einen „für beide Seiten schmerzlichen Interessenausgleich. Zusätzlich zu den 2013 Festangestellten werden 37 Werkvertragsarbeiter*innen beschäftigt. (6.7. nwz)

Das derzeit weit weniger Arbeiter*innen gebraucht werden als vor dem Brand liegt daran das in der Schlachtfabrik momentan nicht geschlachtet wird sondern sie vorerst nur als Zerlegebetrieb dient. Bis in der Schlachtfabrik wieder geschlachtet wird kann es mehrere Jahre dauern. (siehe Betriebsbeginn)
Die katholische Kirche im Oldenburger Münsterland ist ein wichtiger gesellschaftlicher Akteur in der katholisch geprägten Region. Schon seit längeren wird von ihrer Seite aus „das System der erpressbaren Arbeitsmigranten in der Fleischindustrie“ kritisiert. „Das System der Leiharbeit ist vielfach zum Menschenhandel verkommen“. Ohne Sprachkenntnisse und finanzielle Reserven sind die Arbeitsmigranten erpressbar und gezwungen, unwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen zu akzeptieren. Folge sei auch die Zwangsprostitution, etwa von minderjährigen Bulgarinnen.
Hinzu komme, dass die Subunternehmer und Arbeitgeber auch als Vermieter der Unterkünfte für die Arbeiter aufträten. Unter unsäglichen hygienischen Bedingungen und zu völlig überhöhten Mietpreisen werden immer noch abbruchreife Häuser mit Rumänen, Bulgaren, Polen und anderen vollgestopft.“ Sagte der Vechtaer Prälat Peter Kossen der Bistumszeitung „Kirche + Leben“ gegenüber dem Domradio. (4. 4. domradio)

Am Sonntag den 4. April fand im Lohner Heinz- Dettmer-Stadion ein „Multireligiöser Gottesdienst“ statt. Rund 200 Menschen konnten die Veranstalter*innen begrüßen. Pfarrer Rudolf Büscher, Pastor Christian Jäger und Imam Dirk Vulhop sangen und beteten mit den Gläubigen, um ihre Solidarität mit den, um ihre Arbeitsplätze bangenden, Wiesenhof-Mitarbeiter*innen zu zeigen.
Zwischen den beiden Gottesdienstabschnitten wurde ein Video gezeigt, in dem Wiesenhof-Mitarbeiter*innen ihre Erlebnisse nach den Brand bei Wiesenhof schilderten. Arbeiter*innen von Wiesenhof sprachen während des Gottesdienstes Fürbitten in vielen Sprachen.
„Wir möchten eure Not und eure Ängste wahrnehmen“, sagte der evangelische Pastor Christian Jäger im Fußballstadion von Blau-Weiß Lohne. Der Pastor freute sich über die Zusammenarbeit mit dem islamischen Kulturverein der den multireligiösen Gottesdienst mitgestaltete. Viele der betroffenen Arbeiter*innen seien muslimischen Glaubens, sagte er gegenüber der Nordwestzeitung. (25.4. nwz)
Auch am 1. Mai den traditionellen Kampftag der Arbeiter*innen ging Peter Kossen gemeinsam mit anderen Akteuren des Neztzwerkes „Menschenwürde in der Arbeitswelt“ in dem 16 Gruppen aus Gewerkschaft, Politik und Kirche organisiert sind, in Vechta auf die Straße. Er forderte in seiner Rede ein Gesetz, was umgehend Werkverträge und Leiharbeit massiv einschränkt. (2.5. ndr)

Situation der Tiere
„Die Landwirte müssen keine Sorge haben, dass ihnen die Tiere nicht abgenommen werden“

Wie viele Tiere nun wie viele Stunden mehr eingepfercht in LKW verbringen müssen ist unklar.
Am 30. März berichtete die Märkische Online Zeitung darüber, dass Wiesenhof die Schlachtungen teilweise nach Ostdeutschland verlegt hat. Ein Verarbeitungsbetrieb in Niederlehme (Dahme-Spreewald) soll zusammen mit weiteren Zweigstellen u.a. in Grimme, Möckern und Zerbst den Produktionsausfall kompensieren. Zusätzlich werden Schlachtfabriken in Bayern, Niedersachsen und Nordrheinwestfalen aushelfen.
„Die Landwirte müssen keine Sorge haben, dass ihnen die Tiere nicht abgenommen werden“, erklärte eine Sprecherin von Wiesenhof.
(30.3. Märkische Online Zeitung)

Nach den Angaben aus einem Bericht vom NDR wird die „Produktion“ von „Betrieben“ im Landkreis Nienburg, im Jerichower Land in Sachsen Anhalt und im Spreewald in Brandenburg übernommen. (1.4. ndr)
In der Branche wird zudem darüber spekuliert, dass auch Wiesenhof-Konkurrenten einspringen könnten. (1.4. neue oz)

Hilfe der Regierenden
„Im Rahmen unserer Möglichkeiten alles zu tun, das Unternehmen zu unterstützen.“ (Niedersächsischer Wirtschaftminister Olaf Lies (SPD)

Die Schlachtfabrik in Lohne und der PHW-Konzern ist ein traditionell wichtiges Unternehmen in der Region. Seit der Gründung eines kleinen Familienunternehmens 1932 hat sich die PHW-Gruppe zu einem international agierenden Konzern entwickelt, was jährlich milliardenschwere Umsätze erwirtschaftet. (phw-homepage)
In der Region Vechta ist die PHW-Gruppe der zweitgrößte Gewerbesteuer-Zahler und laut Bildzeitung dafür verantwortlich, dass die Arbeitslosenquote in der ländlichen Region unter vier Prozent liegt. (Bild 22.4. )
Die Niedersächsische Landesregierung war die dritte Partei in der Auseinandersetzung zwischen Gewerkschaft und Unternehmen. Anstatt Wiesenhof für die miesen Arbeitsbedingungen, die Wahl der schlechten Versicherung und die fehlende Transparenz zu kritisieren, sicherten sie dem Unternehmen Hilfe beim Wiederaufbau der Schlachtfabrik zu.
Dabei war das nicht der erste Unfall in der Wiesenhof-Schlachtfabrik in Lohne. 2008 wurden bei einem Ammoniak-Unfall 37 Menschen verletzt. 2011 richtete ein Brand einen Schaden in sechsstelliger Höhe an und nur wenige Tage vor dem Brand kam es erneut zu einem Ammoniak-Unfall. (31.3. neue oz)

„Unser Besuch bei Wiesenhof soll ja dafür sorgen, dass die Beschäftigungsverhältnisse gesichert werden. Wir wollen, dass die Beschäftigung in Lohne fortgesetzt wird. Wir hoffen, das Unternehmen baut dort entsprechend wieder neu auf“ sagte der Niedersächsische Wirtschaftsminister Olav Lies am 6. April dem NDR. (6.4. ndr)
In einem Interview am 7. April mit der Nord West Zeitung antworte Olav Lies auf die Fragen, Haben Sie eine entschlossene Unternehmer-Familie angetroffen? Und Wie wird das Land helfen? „Ja, definitiv. Wir reden hier nicht über einen Konzern, dessen Entscheidungen irgendwo im Ausland getroffen werden. Diese Familie besitzt eine enge Verbundenheit mit der Region. Daran messen wir sie allerdings auch. Die Aussage, wir bauen hier auf, heißt auch: In der gleichen Größenordnung. Ob gleich die Aufträge da sind, um die Mitarbeiter in der gleichen Größenordnung zu beschäftigen, kann man im Moment natürlich noch nicht absehen. Das Signal der Landesregierung an die Familie ist auch klar: Im Rahmen unserer Möglichkeiten alles zu tun, das Unternehmen zu unterstützen.“
und…
„Vieles hängt am zügigen Wiederaufbau. Die Landesregierung wird den Prozess unterstützen mit Gesprächen, um Maßnahmen abzuklären und Brücken zu schlagen, für diejenigen, die möglicherweise nicht mehr beschäftigt werden können. Dabei sitzt natürlich die Agentur für Arbeit mit am Tisch. Denn das erklärte Ziel der Landesregierung bleibt, den Beschäftigten hier am Standort Lohne eine Perspektive zu geben.“ (7.4. nwz)
Auch die Niedersächsische CDU-Fraktion sicherte dem Konzern ihre Unterstützung zu und kritisierten die zu lasche Solidarität der Landesregierung.
„Wohlmeinende Ratschläge vom Ministerpräsidenten und seinem Wirtschaftsminister helfen dem Unternehmen jetzt nicht weiter“ erklärte Fraktionschef Björn Thümler. „Die Regierung müsse dem regional bedeutsamen Unternehmen unbürokratisch helfen.“ (20.4. neue oz)
Bei einem Treffen mit dem Vorstandsvorsitzenden der PHW-Gruppe, Peter Wesjohann, kündigte der CDU-Fraktionschef Björn Thümler an, „das Familienunternehmen beim Erhalt des Standortes“ zu unterstützen. (25.4. top agrar)
Der Bürgermeister von Lohne ? Gerdesmeyer (CDU) erklärte am 7. April gegenüber der Nordwestzeitung, dass im Stadtrat schnellstmöglich die erforderlichen Beschlüsse gefasst werden sollten, um das Werk an der selben Stelle wieder aufzubauen. Er gehe davon aus, dass der Betrieb auf eine Kapazität von 432 000 Hähnchen pro Tag ausgelegt werde.

Auch der Stadtprecher Tomprägel aus Lohne ist dem Bauvorhaben von Wiesenhof gegenüber positiv gestimmt. “Wir sind froh, dass Wiesenhof sich früh geäußert hat, am Standort Lohne zu bleiben. Man will hier auch keine Steine in den Weg legen.“ zitierte ihm die Kreiszeitung am 6. Juli.
Dr. Stephan Siemer, CDU-Landtagsabgeordneter aus Vechta sagte am 6. Juli gegenüber der Nord Westzeitung „Ich begrüße es, dass es eine Einigung zwischen dem Unternehmen und der Arbeitnehmervertretung gibt und hoffe, dass der Betrieb durch den Wiederaufbau zu den früheren Produktionszuständen kommt. Wiesenhof ist ein wichtiger Faktor im wirtschaftlich starken Oldenburger Münsterland.“
Die Ratsgruppe Lohne und die Lokale SPD-Fraktion waren die einzigen die Wiesenhof mit gemässigter Kritik begegneten. „Nicht auszudenken, was bei dem Brand an einem normalen Arbeitstag mit einer 600-Personen-Schicht passiert wäre. … Die nahezu innerstädtische Lage des Betriebs verlangt ein verändertes Konzept für den Wiederaufbau.“ hieß es in einem gemeinsamen Antrag, in dem die Einberufung einer außerparlamentarischen Ratssitzung beantragt wurde. (7.4. nwz)

Solidarität von oben ist Wiesenhof auch in anderen Bundesländern gewiss.
Das Landwirtschaftsministerium von Sachsen Anhalt gab am 5. April gegenüber der Volksstimme an, dass Wiesenhof einen Antrag gestellt hat, um in ihrer Schlachtfabrik in Möckern künftig auch Hühner mit einen Lebendgewicht von mehr als 1,5 kilo schlachten zu dürfen. Bislang durfte in der Schlachtfabrik nur „leichteres Geflügel“ geschlachtet werden. Schwerere Tiere wurden in Lohne getötet.
„Wir werden dem Antrag schnell und unbürokratisch stattgeben“, äußerte sich Staatssekretärin Anne-Marie Keding (CDU) zu dem Antrag. (5.4. Volksstimme)
Der Bürgermeister von Bogen, Franz Schedlbauer (CSU) äußerte sich, nachdem bekannt wurde, dass die Bogener Schlachtfabrik Anfang April wieder in Betrieb gehen wird, gegenüber br 24: „Es ist für uns ein wichtiger Arbeitgeber, weil da auch Arbeitsplätze angeboten werden für Menschen, die nicht so hochqualifizierte Arbeiten verrichten können. Aber überdies gehört noch viel mehr dazu: die Hähnchenmäster, die Betriebe im Vorfeld, der Betrieb einer eigenen Kläranlage und und und.“ (5.4. br24)

Betriebsbeginn
„Langfristig geplant sei aber, schrittweise zur alten Auslastung des Betriebes zurückzukehren.“

Am 21. April kündigte Wiesenhof an, in dieser Woche mit 350 der 1.200 Arbeiter*innen die Produktion wiederaufzunehmen. (22.4. Bild)
Bei Radio Bremen wurde bereits am 18. April darüber berichtet, dass die Schlachtfabrik die Produktion wieder teilweise aufgenommen hat. Dem Bericht zur folge wird im Bereich der Verpackung und Zerlegung wieder gearbeitet.
Weiter heißt es in dem Bericht, dass das Unternehmen einen Stufenplan entwickelt hat, indem das „mittelfristige Ziel“ den Standort in Lohne wieder aufzubauen festgelegt wurde.
„Wir gehen heute davon aus, dass der Wiederaufbau zwischen 18 und 24 Monaten dauern wird. Nach dem Wiederaufbau in Lohne wird der Betrieb jedoch nicht gleich wieder bei der vollen Kapazitäten starten. Langfristig geplant sei aber, schrittweise zur alten Auslastung des Betriebes zurückzukehren.“ (18. 4. Radio Bremen) Anderthalb Monate später werden diese Angaben etwas konkreter:
Nach dem Wiederaufbau sollen zunächst „nur“ 220.000 Hühner täglich getötet werden. „Erst“ in 3 bis 5 Jahren könnten es 432.000 Tiere pro Tag werden. Die Genehmigung hat weiterhin bestand. Derzeit werden 80.000 bis 90.000 Hühner – die an anderen Standorten getötet wurden – in der ehemaligen Schlachtfabrik täglich „zerlegt“ und „verarbeitet“. (6.7. nwz)