XXL-Klimabilanz der Fleisch- und Milchindustrie übertrifft Deutschlands Emissionen

Pünktlich zum diesjährigen Klimagipfel in Bonn veröffentlichte die Heinrich-Böll-Stiftung zusammen mit Institute for Agriculture Trade Policy und GRAIN einen Fact Sheet zum ökologischen Fußabdruck der globalen Fleisch- und Milchindustrie.

Zu begrüßen ist das sich mehrere NGOs international vernetzen und Medienwirksam die von der Klimabewegung viel zu oft vernachlässigten Klimaauswirkungen der Milch- und Fleischindustrie thematisieren und dabei die weltweit größten Unternehmen untersuchen und benennen.

Fatal ist das sie sich in ihren Fazit für eine kleinerer Tierhaltung, die auch aus rein ökologischer Perspektive mehr als fraglich ist, aussprechen. Was genau sie darunter verstehen erklären sie nicht. Auch der Kapitalismus als Produktionsweise die ohne permanentes Wachstum nicht funktionieren kann und deshalb nicht nur aus Sicht der Klimagerechtigkeit lieber Heute als Morgen abgeschafft werden muss, wird in den Forderungen der NGOs leider nicht thematisiert.

Es folgt eine Pressemitteilung der Heinrich-Böll-Stiftung:

Berlin: Die 20 weltweit größten Fleisch- und Milchkonzerne verursachen mit 932 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr mehr Emissionen als Deutschland, der viertgrößte Industriestaat der Welt, mit 902 Millionen Tonnen CO2/Jahr. Das stellt ein heute veröffentlichtes Fact Sheet der Heinrich-Böll-Stiftung, des Institute for Agriculture & Trade Policy und GRAIN zum ökologischen Fußabdruck der globalen Fleisch- und Milchindustrie fest.

Auch im Vergleich mit den großen Energie- und Öl-Konzernen wird die klimaschädliche Wirkung der Tierindustrie deutlich: Die Top 5 der größten Fleisch- und Milchproduzenten verursachen mit 578 Millionen Tonnen CO2/Jahr zusammen mehr Treibhausgase als die Öl-Riesen ExxonMobil mit 577 Millionen Tonnen oder BP mit 448 Millionen Tonnen.

Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, sagte: „Die Fakten liegen auf dem Tisch – das weltweit prognostizierte Wachstum der industriellen Tierhaltung hebelt das 1,5° und sogar das 2°-Ziel des Pariser Klimaabkommens aus. Alleine die prognostizierten CO2-Emissionen der Fleisch- und Milchindustrie im Jahr 2050 würden rund 81% der in einem 1,5°- Ziel erlaubten Emissionen entsprechen“, so Unmüßig weiter.

„Die Emissionen aus der industriellen Landwirtschaft verursachen nicht nur zunehmend lokale Umweltzerstörungen und soziale Krisen, sondern sind in großem Umfang mitverantwortlich für den Klimawandel .Die Pariser Klimaziele sind nur mit einer globalen sozialen und ökologischen Agrarwende zu erreichen“, sagte Unmüßig.

„Für die neue Bundesregierung muss gelten, diese Agrarwende endlich einzuleiten“, so Barbara Unmüßig weiter. „Darüber existiert mittlerweile ein gesellschaftlicher Konsens. Inzwischen sind über 80 Prozent der Menschen in der Bundesrepublik bereit, für bessere und nachhaltigere Haltungsbedingungen von Tieren höhere Preise zu zahlen und viele Bauern und Bäuerinnen in Deutschland zeigen, wie eine nachhaltige Landwirtschaft funktioniert. Ihre Existenz darf nicht weiter durch eine zerstörerische Form der Agrarindustrie bedroht werden.“

In der Reihe der „Fleischatlas“ hat sich die Heinrich-Böll-Stiftung mehrfach mit den globalen und lokalen Dimensionen von Klimawandel und industrieller Fleisch- und Lebensmittelproduktion befasst. Der „Konzernatlas“ 2017 beleuchtet die globalen Machtstrukturen der Agrar- und Ernährungsindustrie.

Alle Publikationen sind kostenlos bei der Heinrich-Böll-Stiftung bestellbar.

Das Factsheet ist hier abrufbar