Kampagne gegen Tierfabriken

Eine Zusammenfassung unserer politischen Positionen findet ihr in unseren Positionspapier.

 

Ausrichtung und Zusammenhänge

Die Kampagne richtet sich gegen Hühnerschlachtfabriken in Niedersachsen – aktuell fokussiert sie sich auf den geplanten Ausbau der Schlachtfabrik von Wiesenhof in Wietzen-Holte sowie deren Zulieferbetriebe. 2010 nahm die Kampagne ihren Anfang mit Aktionen gegen den Bau der Schlachtfabrik des Rothkötter-Konzerns in Wietze, in der derzeit ca. 200 000 Hühner täglich getötet werden.
Seitdem wird auf vielfältige Weise auf die Schließung der Fabriken hin gearbeitet. Teil des Protestes waren Besetzungen von Baugrundstücken, Blockaden, Demonstrationen, Protestcamps, Vortragsreihen, Straßentheater und mehr. Neben Aktivitäten der Bürgerinitiativen und einer Reihe militanter Aktionen ist die Kampagne ein Teil des Widerstands, getragen von unabhängigen Aktivist*innen aus verschiedenen Zusammenhängen.

Die Schlachtfabriken sind Ausdruck einer von Herrschaft und Unterdrückung durchzogenen Gesellschaft. Sie sind Konsequenzen einer gesellschaftlichen Organisationsweise, die nicht auf Bedürfnisbefriedigung, sondern auf unbegrenztes Wachstum und Profit ausgerichtet ist. Innerhalb der Kampagne wird versucht, diese Zusammenhänge aufzuzeigen. In diesem übergeordneten Rahmen ist die Kampagne als Ausrufezeichen hinter der Forderung zu verstehen, ausbeuterische Missstände und ihre gesamtgesellschaftlichen Grundlagen abzuschaffen. Es wird im Widerstand gegen die zwei Schlachtfabriken ein besonderes Potential gesehen, auf die unerträglichen Auswirkungen des Kapitalismus hinzuweisen, aktiv Widerstand zu leisten und das zerstörerische Wachstum des Kapitals zu schmälern.

Wir laden alle, die Lust auf Austausch und / oder gemeinsame politische Arbeit haben, herzlich ein dazu zustoßen oder auf eigene Faust aktiv zu werden!

Die Widersacher

Wiesenhofs Schlachtfabrik in Wietzen-Holte (bei Nienburg)

140 Tausend getötete Hühner verzeichnet die Schlachtfabrik in Wietzen-Holte derzeit pro Tag. 2012 beantragte das Unternehmen einen Ausbau der Schlachtfabrik mit einer angestrebten Schlachtkapazität von 250 Tausend Tieren am Tag.

Nach vielen Protesten und laufenden Klagen ist das Genehmigungsverfahren vorläufig ins Stocken geraten.

Im Februar 2016 genehmigte das Gewerbeaufsichtsamt Hannover den Ausbau. Aktuelle Recherchen zufolge wächst auf dem vorgesehenen Baugrundstück Mais (Ernte September/Oktober).

PHW mit ihrer Marke Wiesenhof ist der größte Hühnerfleischproduzent Deutschlands. Wie branchenüblich liefert der multinationale Konzern Küken und Futter an Vertragsmäster*innen, die die Hühner nach einem Monat Mast an die konzerneigenen Schlachtfabriken abgeben in denen derzeit 4,5 Millionen Hühner wöchentlich getötet werden.
Die PHW-Gruppe und ihr Schwesterunternehmen EW-Group ist u.a. auch in den Bereichen Zucht, Impfstoffproduktion und der Herstellung von Futter-mitteln (auch aus Schlachtabfällen) präsent. Am Beispiel Wiesenhof wurden in den letzten Jahren immer wieder Skandale aufgedeckt: die besondere Brutalität der industrialisierten Tierhaltung, die desaströsen Zustände für die Arbeiter*innen und die Folgen der Billigfleischexporte in den globalen Süden. Kampagnen von Gegner*innen der Tierhaltung werden dabei zunehmend zu einem Problem für die PHW-Gruppe und ihre Konkurrenz.

Hintergründe

Die Hühner …

… werden schon vor ihrer Geburt per Züchtung an wirtschaftliche Interessen angepasst. Kaum in der Brüterei geschlüpft, geht es für sie in die Mastanlage, wo sie mit antibiotikaversetztem Kraftfutter binnen eines Monats auf ein Vielfaches ihres Gewichts gebracht werden. Während ihres kurzen Lebens stehen sie mit zigtausenden Artgenossen auf engstem Raum in ihrem eigenen Kot. Etwa 5 % der Hühner sterben bereits in der Mastanlage. Nach dem Transport kommt die letzte Etappe ihres Leidenswegs: Der Tod in der Schlachtfabrik.

Hühner sind leidensfähige Lebewesen. Auch wenn wir nicht mit ihnen kommunizieren können, wird spätestens durch die Beobachtung freier Hühner deutlich, dass sie ihr Leben nicht in Gefangenschaft verbringen und auch nicht getötet werden möchten. Angesichts der technischen und landwirtschaftlichen Möglichkeiten in den industrialisierten Gesellschaften ist ihre Ermordung für die Ernährung von Menschen schlicht überflüssig und stellt somit einen nicht hinnehmbaren Gewaltakt dar.

Die Profiteure der Fleischindustrie versuchen mit Tierschutz- oder Biosiegeln, Imagekampagnen oder dem Hinweis auf die Schaffung von Arbeitsplätzen von den grundlegenden Fragen nach der moralischen Legitimation von Tierausbeutung abzulenken. Doch die Millionen von Leben sprechen eine deutliche Sprache.

Umwelt und Klima …

… nehmen Schaden durch den monokulturellen Anbau der meist gentechnisch manipulierten Futtermittel, die oftmals in ehemaligen Regenwaldgebieten gepflanzt werden. Zudem werden Böden und Grundwasser durch Nitrate und Stickstoffe aus Tierkot und Dünger belastet. Eine Studie der FAO (Ernährungsorganisation der UNO) schätzte 2006 den Anteil der Treibhausemissionen, die auf die Nutztierhaltung zurückzuführen ist, auf 18 %. Andere Studien beziffern den Anteil auf bis zu 50% (Vgl. Goodland & Anhang, 2009).

Die Arbeiter_innen …

… im Futtermittelanbau sind regelmäßig hochgiftigen Pestiziden ausgesetzt. Anbaufelder werden nicht selten durch die Vertreibung dort ansässiger Menschen erschlossen. Die harte Arbeit – Tag und Nacht bei niedriger Bezahlung ohne Festanstellung – in den deutschen Schlachtfabriken ist für die völlige Missachtung selbst grundlegender Arbeitsrechte berüchtigt.

Der Kapitalismus …

… legt mit durch den Konkurrenzdruck und stetigen Zwang zum Wachstums den Grundstein für die systematische Ausbeutung und Zerstörung von Lebewesen und ihren Lebensgrundlagen. Solange sich Mord und Ausbeutung bezahlt machen, fördert die Aussicht auf höhere Gewinne den steten Erhalt und Ausbau dieser Systematik. Im Kapitalismus geht es nur nachrangig um Bedürfnisbefriedigung: Letztere ist nicht Ziel wirtschaftlichen Handelns, sondern lediglich Mittel zur Weiterverwertung. Für eine Gesellschaft frei von Unterdrückung und Ausbeutung ist seine Überwindung unerlässlich.

Repression …

… muss in diesem Zusammenhang auch benannt werden. Ziel von staatlicher Repression wird tendenziell, wer bestehende Verhältnisse in Frage stellt. So sahen sich Aktivist*innen der Kampagne mit Räumungen, Überwachung und Strafverfolgungen konfrontiert. Der LKA-Spitzel Ralf Gross, der sich von Anfang 2012 bis Ende 2013 in der Kampagne und ihrem Umfeld bewegte und eine dreimonatige Telefonüberwachung zeigen hier wohl am deutlichsten, mit welchen Mitteln die Fleischindustrie durch den Staat verteidigt wird.

Der Widerstand …

… hat noch viel zu tun, aber bereits einige Erfolge zu verzeichnen! Darum lasst uns der blutigen Maschinerie des Kapitals weiter Sand ins Getriebe streuen, sei es durch Öffentlichkeitsarbeit, Direkte Aktionen oder die Weiterentwicklung von Theorie und Strategie.

Organisiert Euch! Werdet Aktiv!

Für Die Befreiung Von Mensch Und Tier!