PHW-Gruppe / Wiesenhof

Welcher Konzern befindet sich hinter der Marke Wiesenhof?

übernommen von Mastanlagen Widerstand

Ein kleines bäuerliches Landhaus auf grüner Wiese und ein paar Bäumen. Mit diesem Logo wirbt die Firma „Wiesenhof“ für ihre “Produkte”. Es soll dem Konsumenten ein Bild von idyllischen Bauernhöfen und glücklichen Hühnern vermitteln. Die Marke ist Dank intensiven Marketings in ganz Deutschland sehr bekannt und bezeichnet sich selbst stolz als “Geflügelmarke Nr. 1”. Jedes dritte für den Verzehr getötete Huhn stammt aus diesem Unternehmen. Der Konzern hinter Wiesenhof, die PHW-Gruppe, ist der größte Tierausbeutungskonzern Deutschlands und der drittgrösste Europas im Bereich Hühnerzucht, -haltung und -schlachtung. Die PHW-Gruppe mit Firmengründer Paul Heinz Wesjohann ist aber weit mehr als nur ein „Geflügel“produzent. Sie besteht aus über 40 Einzelunternehmen dazu gehören u. a.

  • 6 Brütereien mit Elterntierhaltung
  • 5 Mischfutterwerke
  • 13 Schlacht- und Verarbeitungsbetriebe
  • Lohmann Animal Health und Vibalogics GmbH: Produktion von Geflügelimpfstoffe, Futtermittelzusatzstoffe, Erforschung und Entwicklung von immunologischen und biologischen Wirkstoffen für die Veterinär- und Humanmedizin
  • MEGA Tierernährung und PetCom Tierernährung GmbH & Co KG: Produktion von Heimtierfutter
  • GePro Geflügel-Protein GmbH & Co KG:Entsorgung von Geflügel-Schlachtabfällen bzw. Verarbeitung zu Eiweiß- und Fettprodukten, sowie Geschmacksverstärken für Heimtier-, Fisch-, und Pelztierfutter
  • Nutrilo: Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln für den menschlichen Verzehr
  • Drobimex und Bomadek: Geflügelproduktionsbetriebe in Polen 3,4

Auch in Discountern finden sich sämtliche Marken, die ebenfalls aus der Produktkette der PHW-Gruppe stammen. So z. B. die Marken: 1

  • Allfein (Allfein Feinkost GmbH; Netto)
  • Gut Ponholz (Heidegold Geflügelspezialitäten GmbH; Netto)
  • Gut Langenhof (Heidegold Geflügelspezialitäten GmbH; Norma)
  • Landklasse (Heidegold Geflügelspezialitäten GmbH; Coop)
  • geka (GEKA frisch + frost Handels GmbH & Co. KG ; Aldi-Nord)
  • Heidegold (Heidegold Geflügel GmbH & Co KG; Aldi)
  • Landjunker (Frischland Premium Spezialitäten GmbH & Co.KG; Lidl).

Handelspartner von Wiesenhof sind unter anderem REWE, ALDI-Nord, ALDI-Süd, Coop, Homann, EDEKA, Lidl, Kaufland, Kentucky Fried Chicken, Kühne, Real und Wienerwald. 2
Die PHW-Gruppe erwirtschaftete mit seinem ausbeuterischen System 2012/13 einen Umsatz in Höhe von 2,45 Mrd. Euro. 3 Mit 1.379 Mio. Euro ist das Geschäftsfeld Geflügelspezialitäten mit der führenden Marke WIESENHOF der umsatzstärkste Bereich. Um diesen Umsatz zu erreichen betreibt Wiesenhof sechs Brütereien, bezieht Hühner aus 800 Mastanlagen und lässt in 13 Schlachtfabriken bundesweit Tiere im Akkord töten. 4 Jährlich werden 270 Millionen Hühner bzw. 4,5 Millionen Hühner pro Woche im Auftrag von Wiesenhof getötet. 5
Der Leitsatz „working for a better life“ – Verantwortung für Mensch, Tier und Umwelt soll das freundliche, persönliche Image des Konzerns bestärken. Auf dessen Homepage wirbt der Konzern zudem mit folgenden Leitlinien für mehr Nachhaltigkeit, Klimaschutz und gesellschaftliche Verantwortung:

  • Ökologisch und nachhaltig denken
  • Verantwortungsbewusst handeln
  • Offene Kommunikation pflegen
  • Sicherheit und Vertrauen für den Kunden
  • Wertschätzung und Respekt gegenüber dem Mitarbeiter

Profit auf Kosten von Mensch, Tier und Umwelt – eine Chronik der Skandale

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Die Realität jedoch sieht anders aus. Seit Jahren steht der Konzern in der Kritik Profitmaximierung auf Kosten von Mensch, Tier und Umwelt zu betreiben. Immer wieder tauchen skandalöse Bilder aus Zulieferbetrieben in den Medien auf, welche Tierqual im Auftrag des Unternehmens belegen. Zudem wurde aufgedeckt, daß osteuropäische Arbeiter als „Lohnsklaven“ ausgebeutet werden und Raubbau an Grund- und Wasservorräten betrieben wird. Außerdem steht das Unternehmen unter dem Verdacht des Subventionsbetrugs. Dagegen klingen die oben genannten Leitlinien der PHW-Gruppe wie blanker Hohn. Im Folgenden sind die einzelnen Skandale des PHW-Konzerns mit der Marke Wiesenhof in einer Jahreschronik zusammengefaßt.  

2007

Foodwatch erstattete Strafanzeige gegen den Geschäftsführer der PHW-Tochterfirma GePro. Der Vorwurf damals: Im Jahr 2005 soll GePro illegal Tiermehl aus Schlachtabfällen der BSE-Risikokategorie III in Nicht-EU Staaten geliefert haben. Letztendlich wurde das Ermittlungsverfahren mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt. 6 Im Juli berichtete das ZDF-Magazin Frontal21 über schlechte Arbeitsbedingungen und Löhne bei Wiesenhof von polnischen Gastarbeitern, die nur 3,50 Euro pro Stunde verdienen sollen. Die PHW-Gruppe erwiderte in seiner Stellungnahme, daß die Beschäftigungsverhältnisse ordnungsgemäß und regelmäßig von Behörden überprüft werden und daß entgegen der Aussagen des Berichts die Arbeiter einen Bruttostundenlohn von 5-6 Euro erhalten, dazu käme noch freie Logis.  

2008

Die Staatsanwaltschaft Stade recherchierte gegen die Firma Lohmann Tierzucht GmbH, nachdem die Tierrechtsorganisation Peta den Zuchtbetrieb wegen Verstümmelung und Verstoß gegen das Tierschutzgesetz angezeigt hatte. Die Vorwürfe: Jahrelang hat das Unternehmen bei Hühnerküken Kämme gekürzt und Zehen amputiert – obwohl das illegal ist. Zudem wurden für die Zucht „unbrauchbare“ männliche Küken massenweise mit Kohlendioxid vergast und geschreddert. Gericht, Ermittler und Anwälte einigten sich letztendlich darauf, daß die Firma Lohmann eine Geldbuße über 100.000 Euro zahlt – und künftig das Stutzen der Kämme und Zehen unterläßt. Das Verfahren gegen einen der beiden Geschäftsführer wurde wegen Geringfügigkeit eingestellt. Der zweite Firmenchef wurde verwarnt. 7,8  

2010

Das ARD-Politmagazin Report Mainz deckte schwere Tierschutzverletzungen in einem niedersächsischen Hühnerzuchtbetrieb auf. Wiesenhof entschuldigte sich für das Fehlverhalten der Mitarbeiter und der Fremdfirmen und trennte sich von den verantwortlichen Mitarbeitern und Fremdfirmen.  

2011

Die Vorwürfe vorangegangener Jahre konnten durch die ARD-Reportage “Das System Wiesenhof – Wie ein Geflügelkonzern Tiere, Menschen und die Umwelt ausbeutet”9 erneut belegt werden. Dort konnten Aufnahmen, die nachweisbar in einem PHW Betrieb von Tierschützern aufgenommen wurden, die Vorwürfe bekräftigen. PHW-Firmengründer Paul-Heinz Wesjohann wies diese Fakten in einem Interview allerdings zurück und verwies auf die Subunternehmer, in deren Arbeitsabläufe PHW keinerlei “rechtliche” Eingriffmöglichkeiten habe. Zudem habe er keine Kenntnis von solchen Vorgängen und konnte auch auf Vorzeigen der Videoaufnahmen nicht bestätigen, ob es sich wirklich um einen PHW-Betrieb handele, obwohl dies eindeutig zu erkennen war. Auf einem Geflügelschlachthof der Wiesenhof-Gruppe bei Möckern wurden im April 2011 laut eines Berichtes des Nachrichtenmagazins Stern hygienische Mängel aufgedeckt. Auch gab es mehrfach Exportsperren für das Geflügel laut Stern. An den Wänden und Decken wurde durchgängiger Schwarzschimmelbefall entdeckt. Die zuständige Veterinäraufsicht konnte eine einwandfreie und hygienische Schlachtung nicht garantieren, zudem war von einer Kontamination der Schlachtkörper mit Magen-Darm-Inhalt die Rede. Weiterhin gab es Verstöße bei der Kühlung der Schlachtkörper; auch eine Überschreitung der zulässigen Schlachtmenge wurde kritisiert. Das Unternehmen wies die Vorwürfe entschieden zurück. Auch an dieser Stelle erhob die ARD-exklusiv Reportage “Das System Wiesenhof” vom 31.08.2011 schwere Vorwürfe.  

2012

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelte wegen des Verdachts auf Subventionsbetrug. Der Vorwurf lautete: Wiesenhof soll ohne die erforderlichen EU-Zulassungsbescheide jahrelang Exportzuschüsse kassiert haben. 10,11,12  

2013

Im Juni 2013 flog ein komplexes Geflecht an schnell wechselnden Werkvertragsnehmern und Zeitarbeitsfirmen im Umfeld des PHW-Unternehmens Geestland in Wildeshausen auf, das Spätaussiedler sowie ausländische Arbeitskräfte aus Rumänien, Bulgarien und Vietnam zu sehr ungünstigen Konditionen (Dreimonatsverträge, € 0,23 Lohn pro zerlegter Pute) beschäftigte. Auswärtige Arbeiter wurden in Massenunterkünften (bis zu 15 Betten pro Zimmer) einquartiert. Unerwünschte Mitwisser wurden offenbar massiv eingeschüchtert. 13,14,15 Wie Stern TV Anfang September 2013 berichtete, wurden bei einem Wiesenhof-Lieferanten in Bayern schwächliche Tiere lebend in den Müll geworfen. Die Vorwürfe stützen sich auf aktuelle Filmaufnahmen der Tierschutzorganisation „Soko Tierschutz“, die u. a. zeigten, wie kranke Tiere im Stall liegen, der Hofinhaber ein flatterndes Tier in den Müllcontainer schleudert oder wie eine Hof-Mitarbeiterin versucht, ein zappelndes Tier an einem Eimer tot zu schlagen. 16,17,18 Die PHW-Gruppe reagierte auf die immer wieder auftauchenden Vorwürfe mit einer eigenen Medienkampagne, die von der PR-Agentur Engel & Zimmermann AG mit Sitz in Gauting organisiert wurde. Diese PR fußt auf drei Säulen: 1. Wiesenhof wird als Opfer von sensationsgierigen Medien dargestellt 2. Es wird betont, daß Wiesenhof gesetzliche Vorgaben erfüllt und bei Verstößen konsequent handelt und 3. Via social media wird der Kontakt zum Endverbraucher gesucht. Angesichts der Bilder, wie Wiesenhof-Leute Tiere brutal mißhandeln, wurden die gezeigten Vorfälle vom Konzern als Einzelfälle verurteilt und Konsequenzen angekündigt. Immer wieder wälzt der Konzern die Verantwortung an Sub-Unternehmer und die Verbraucher ab, die schließlich Fleisch möglichst billig einkaufen wollen.  

Privathof: geplatzter Imagewechsel und verlogenes Tierwohl

Seit Oktober 2011 gibt es das laut Konzern “tiergerechte” gehaltene Wiesenhof-Huhn mit der Marke Privathof. Im Januar 2013 wurde Privathof mit dem Tierschutzlabel vom Deutschen Tierschutzbund ausgezeichnet. Hier hat die Forschungsabteilung von Wiesenhof zusammen mit der LMU München unter Leitung von Prof. Dr. Michael Erhard (Leiter des Lehrstuhls für Tierschutz, Verhaltenskunde, Tierhygiene und Tiergesundheit) eine „besonders tiergerechte“ Haltungsform entwickelt. Es handelt sich um Hühner, die in klassischer Bodenhaltung in großen Ställen aufgezogen werden. Um ein Mastendgewicht von etwa 1,7 kg zu erreichen, benötigen die Tiere der Rasse “Cobb Sasso” etwa 10 Tage länger – also 40 Tage statt 30 Tage – als Zuchtlinien der herkömmlichen Rassen “Ross 308” oder “Ross 708”. Wiesenhof spricht daher von einer langsam wachsenden Hühnerrasse. Man sollte hier jedoch bedenken, daß ein Huhn in Freiheit weit über 10 Jahre alt werden kann. Picksteine und Strohballen sollen für Abwechslung sorgen. Die Besatzdichte ist mit 15 Tieren pro Quadratmeter etwas geringer als in der konventionellen Mast (20-23 Tiere). Bis Ende des Jahres sollen alle Farmen mit überdachten Außenbereichen, so genannten Kaltscharrräumen, ausgestattet sein. Zur Zeit beteiligen sich gerade mal 35 Farmen an diesem Konzept und diese Form der Mast unterscheidet sich nicht wirklich von der konventionellen, wie Soko Tierschutz in aktuellen Videoaufnahmen belegen konnte. 19 Die konventionelle Hühnermast beträgt bei Wiesenhof etwa 95% (laut eigenen Angaben sind von 4,5 Millionen getöteten Tieren 10.000 aus “biologischer Haltung”).

Doch egal um welche Haltungsform es sich auch handelt, es ist und bleibt Massentierhaltung und nur so bleibt es für Wiesenhof lukrativ. Den Tieren wird jegliches Recht und Grundbedürfnisse wie Scharren, Erkunden der Umgebung, Aufbau eines sozialen Gefüges, Picken der Nahrung, eine gesunde Versorgung und vor allem Selbstbestimmung und Freiheit abgesprochen, denn dies paßt nicht in das Konzept einer Hühnermast, die mit den gehaltenen Tieren Geld verdienen will. Dennoch weiß der ehemalige Wiesenhof-Vorsitzende Paul Heinz Wesjohann in einem Zeitungsinterview über „glückliche Hühner“, daß diese „im Wesentlichen Wasser, Futter, genügend Sauerstoff, eine trockene Einstreu und einen Ruheplatz“ bräuchten. 20 Daß die Realität in Mastbetrieben aber nicht identisch ist mit dem, was Wesjohann beschreibt, haben zahlreiche Dokumentationen gezeigt. Die Hühner leben in ihren eigenen Exkrementen, weil eine Reinigung der Ställe unrentabel wäre. Sie sind dauerhaftem Streß und Enge ausgesetzt, da sich am Ende bis zu 23 Hühner einen Quadratmeter Platz teilen müssen. Sie leben in dauernder Konkurrenz um Futter und Raum und leiden durch „Turbowachstum“ unter schmerzhaften Krankheiten wie Knochen- und Muskelfehlbildungen, sowie an Organerkrankungen.  

Quellenangaben

  1. mynetfair.com
  2. tierrechte.de/themen/landwirtschaftlich…
  3. phw-gruppe.de/kennzahlen.html
  4. wiesenhof-online.de/kontakt/2/2/Standor…
  5. Die Welt, 13.02.2009, Andrea Exler, So funktioniert die geheime Wiesenhof-Maschinerie
  6. Die Tiermehl-Schmuggler: Der foodwatch-Report über illegale Exporte von Tiermehlen, unkontrollierte tierische Abfälle und die Komplizenschaft der Behörden, 21.02.2007
  7. taz, Strafbefehl wegen Tierquälerei, 14.02.2011, taz.de/!65905
  8. Spiegel 38/2011, Rekordbuße für Zuchtbetrieb Lohmann
  9. youtube.com/watch?v=uDIqiN49bmA
  10. Politik: Ermittlungen bei Wiesenhof,
Süddeutsche Zeitung 28.04.2012
  11. Subventionsbetrug? Razzia bei Wiesenhof
Staatsanwaltschaft Oldenburg bestätigt Durchsuchungen in Niedersachsen und im Jerichower Land,
Volksstimme 28.04.2012
  12. Offenbar neue Ermittlungen gegen Wiesenhof, 
NDR 06.04.2012
  13. Reportage: Lohnsklaven in Deutschland – Miese Jobs für billiges Fleisch, ARD Sendung vom 24. 06. 2013
  14. Lohnsklaven in Deutschland: Mafiapaten der Schlachthöfe,
Hamburger Abendblatt vom 24.06.2013
  15. Skandalöse Verhältnisse in der Fleischindustrie: Lohnsklaven in Deutschland,
Süddeutsche Zeitung 23. 06. 2013
  16. Wiesenhof am Pranger: Strafanzeige gegen Hühnermäster, 
Süddeutsche Zeitung 11.09.2013
  17. Tierquälerei bei Wiesenhof-Mäster: Lebendig in den Müll geworfen, 
SternTV 04.09.2013
  18. REPORT MAINZ deckt auf: Wieder Tierquälerei auf Wiesenhof-Farm, 
Report Mainz 20.08.2013
  19. soko-tierschutz.org/de/wiesenhof-privat…
  20. Die Welt, 22.03.2009, Andrea Exler, Geflügelzucht ist eine große soziale Tat