Bericht von der Aktions-Fahrradtour für eine ökologische Landwirtschaft.

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Radtour: Kundgebung bei Cargill

Bei schönem Wetter fanden sich am Samstag (30ter Juni 2018) einige Menschen zu unserer Aktionsradtour zusammen. Gemeinsam startete die Tour am frühen Morgen vor der Marth Darmfabrik in Braunschweig/Rüningen. Mit Transparenten und Megafon wurde eine Kundgebung vor der Darmfabrik abgehalten. Ein Redebeitrag thematisierte die Geschichte der Fleischindustrie und die Rolle von Marth in dieser. Kritisiert wurde die massive Ausbeutung von Tier und Natur und die miserablen Arbeitsbedingungen in den Schlachtfabriken. Nach einer halben Stunde Kundgebung startete schließlich die Tour mit dekorierten Fahrrädern und Zivil-Polizeibegleitung Richtung Salzgitter.

Radtour: Kundgebung bei der Marth Darmfabrik.

Dort angekommen hielten die Teilnehmer*innen eine weitere Kundgebung vor einem Lidl-Discounter ab, da auch der Einzelhandel mit immer billigerer Massenware seine Kund*innen lockt und damit die Produktionsbedingungen der Waren auch mit beeinflusst. Es wurden Flyer an interessierte Passant*innen verteilt und ein weiterer Redebeitrag verlesen. Dieser behandelte unter anderem das Thema Greenwashing in der Produktion und im Einzelhandel am Beispiel von sogenannten Tierschutzlabels. So heißt es unter anderem:

„(…) Durch diese Labels erhält der*die Konsument*in den Eindruck, dass das Fleisch aus artgerechterer Haltung kommt, und dieses Stück totes Tier irgendwas mit Tierwohl zu tun hätte. Tatsächlich versteckt sich hinter den Labels wie der „Initiative Tierwohl“, oder dem neu von Lidl eingeführten sogenanntem „Haltungskompass“ weiterhin Massentierhaltung. Diese Massentierhaltung erhält lediglich einen grünen Anstrich, verursacht aber noch dasselbe Leid und die selben ökologischen Probleme wie vorher. (…)“

„(…) Wir denken, dass ein reiner Boykott von z.B. tierischen Lebensmitteln nicht ausreicht. Menschen müssen aktiv gegen dieses unterdrückerische System und all seinen Facetten aufbegehren. Wir müssen uns einsetzen, laut werden und aufklären damit dieser Maschinerie der Ausbeutung und Ungerechtigkeit hoffentlich irgendwann mal der Saft ausgeht. (…)“

Nach der Kundgebung bei Lidl fuhren die Radler*innen zu einem Standort des Agrarkonzerns Cargill in Salzgitter. Im Redebeitrag wurde der Konzern vorgestellt und seine Rolle in der weltweiten Zerstörung der Natur durch zum Beispiel den Futtermittelanbau für die Tierausbeutungsindustrie thematisiert:

„(…) Cargill ist ein US-amerikanisches Unternehmen, welches vielen wahrscheinlich nichts sagt. Aber die sind einer der Big Player in der globalen Lebensmittelindustrie. Drei Viertel des weltweiten Agrarbusiness teilen 4 Unternehmen unter sich auf, eines davon ist Cargill. (…)“

„(…) Cargill ist verantwortlich für das millionenfache Leid von Tieren, für die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlage von Menschen und Tieren und trägt unter anderem durch seine Palm- und Sojaplantagen zum Klimawandel mit bei. Daher hoffen wir, dass Cargill verstärkt mit Widerspruch konfrontiert wird. Wir werden so lange weiter protestieren, bis Unternehmen wie Cargill aufhören Profit auf Kosten von Tieren, Menschen und Umwelt zu machen. (…)“

Nach einer kleinen Pause mit veganer Verpflegung ging es dann zum letzten Standort weiter: Zu zwei Hühnermastanlagen zwischen Alvesse und Üfingen. Vor den Mastanlagen, die eine Kapazität von 84.800 Hühnern haben, wurde abermals protestiert und mit einem Redebeitrag auf das enorme Leid und die Umweltbelastungen hingewiesen, die solche riesigen Tierhaltungsanlagen mit sich bringen. Das Motto unserer Fahrradtour wurde dann noch an den Metallzaun der Hühnermastanlage angebracht: Ein Schild mit der Aufschrift „Ökologische Landwirtschaft statt zerstörende Agrarindustrie!“ und dann ging es wieder zurück nach Braunschweig.

Radtour: Kundgebung bei der Mastanlage zwischen Üfingen und Alvesse.

Die Tour war eine gute Aktionsform um an den verschiedenen Orten von Produktion und Handel die Kritik an der ausbeuterischen Agrarindustrie zu thematisieren und wir trafen viele Leute, die unseren Standpunkt teilten und sich interessiert zeigten. Das nächste mal wäre es schön, wenn sich noch mehr Menschen an den Protesten beteiligen würden. Es geht schließlich um unsere Lebensmittel und Lebensgrundlage und um das Leben von unzähligen Lebewesen – Mensch, Tier und Natur – und das sollte uns spätestens heute alle auf die Straße treiben.

Beteiligt euch am Protest gegen Ausbeutung und Naturzerstörung!
Für eine ökologische und solidarische Landwirtschaft!

Die kompletten Redebeiträge findet ihr hier:

Rede bei der Marth Darmfabrik:

Wir stehen hier vor den Toren der Firma Rudolf Marth & Co. KG. Hier werden Därme von Schweinen, Rindern, Schafen und Ziegen für die Produktion von Wurst verarbeitet. Die Firma Marth brüstet sich auf ihrer Homepage damit das hier in der Woche 150 t Darm bewegt und pro Jahr 160 Millionen Meter Därme verarbeitet und weiter verkauft werden. Mit den Därmen die in dieser Fabrik jährlich verarbeitet werden könnte man vier mal die Erde umrunden.

Marth ist zwar nur ein mittelständisches Unternehmen ist aber dennoch ein bedeutender Player auf dem Weltmarkt der Naturdärme. Neben dem Standort hier in Braunschweig hat Marth noch weitere Standorte in Polen, Irland und China. Partnerbetriebe mit denen Marth Geschäfte betreibt kommen aus Neuseeland, China, den mittleren Osten, Australien, Südamerika, Deutschland, Irland und Ägypten.

Um die Macht und Profitinteressen in der Politik gegenüber den Arbeiter*innen, Umweltschützer*innen, Tierrechtler*innen und Menschenrechtsaktivist*innen durchzusetzen organisieren sich Konzerne wie Marth in Wirtschaftsverbänden. Der Interessenverband der Naturdarmproduzenten heißt „zentralverband naturdam e.V.“ mit Sitz in Hamburg. Im Vorstand als auch im Aufsichtsrat sitzt Jens Kersting der ebenfalls Geschäfstführer der Rudulf Marth & Co. KG ist.

Auch wen die Naturdarmproduktion sicherlich nicht die wichtigste Sparte der Fleischproduktion ist so ist sie doch nicht gänzlich unbedeutend. Zahlreiche Traditionelle Wurstsorten dürfen nach festgelegten Reinheitsbedingungen nur in Naturdärme gefüllt werden. So z.B. Thüringer Bratwurst, Nürnberger Rostbratwürstchen, Münchner Weißwurst, italienische Salami oder die Chorizo aus Spanien.

Laut dem Zentralverband „Naturdarm e.V.“ kommt Deutschland eine besondere Rolle innerhalb der Produktion von Därmen zu:
So gillt die Bundesepublik als Drehscheibe des internationalen Naturdarmhandels. Mit etwa einem Drittel des Weltumsatzes ist sie der weltweit bedeutendste Umschlagplatz für Naturdärme. Der Gesamtaußenhandelsumsatz der deutschen Naturdarmbranche betrug 2014 über 880 Millionen Euro. Die Spezialfirmen des deutschen Darmhandels beschäftigen im In- und Ausland etwa 6.000 Mitarbeiter*innen.

Nicht nur in der Darmproduktion sondern in vielen vor und nachgelagerten Produktionsschritten der Tierproduktion spielen die in Deutschland ansässigen Fleischkonzerne eine dominante Rolle.

Und das obwohl Deutschland ein kleines, dicht besiedeltes Land ist. Um hier Tierhaltung im großen Stil betreiben zu können, muss das Futtermittel von woanders kommen, weshalb Regenwälder in Argentinien und anderswo abgeholzt werden. Die Tiere müssen in immer größer werdender Anzahl mit super wenig Platz ihr klägliches da sein fristen um den einzigen Zweck ihrer Existenz nach zukommen der Tötung im Akkord in hochtechnologisierten Schlachthäusern.

Seit Jahrzehnten wird von verschiedenen Akteuren darauf hingewiesen. Trotzdem ist die Fleischproduktion in Deutschland seit der Jahrtausendwende kräftig gewachsen. Wie konnte es dazu kommen?

Wachstum trotz Fleischverzicht – das Geschäftsmodell der deutschen Fleischindustrie

Der Fleischkonsum in Deutschland ist hoch. Aber ist er der Grund für das Wachstum der Fleischindustrie? Die erstaunliche Antwort lautet: Nein. Seit Beginn des 19. Jahrhundert wurde in Deutschland immer mehr Fleisch gegessen. Doch dieser sehr langfristige Trend hat sich in den 1980ern umgedreht – viele Jahre wurde weniger Fleisch konsumiert, seit der Jahrtausendwende stagniert der Konsum. Trotzdem konnte die Fleischindustrie in der selben Zeit massiv wachsen – durch Exporte.

Der globale Fleischmarkt boomt, vor allem durch die wachsende Nachfrage der Mittelschichten in den Schwellenländern. Und damit die deutschen Fleischkonzerne ihr Stück vom Kuchen abbekommen, wird hierzulande mehr Fleisch produziert als verbraucht. Die Hälfte des in Deutschland produzierten Fleischs wird exportiert. Dadurch ist Deutschland der viertgrößte Fleischexporteur weltweit und der größte in Europa. Traditionell große Fleischexporteure sind riesige Flächenländer wie Argentinien, Brasilien oder die USA. Deutschland ist die große Ausnahme in dieser Liste, wie oben gezeigt mit gravierenden Folgen. Die heimische Fleischindustrie kann aus zwei Gründen den eigentlich überlegenen Standorten in den Flächenländern Konkurrenz machen: Hohe Konzentration der Betriebe und extreme Ausbeutung der darin arbeitenden Menschen.

In Deutschland halten immer weniger Betriebe immer mehr Tiere. Das Wachstum basiert auf ertragreicheren Züchtungen und intensiveren Technikeinsatz. Dadurch wird die Produktion billiger, mithalten kann aber nur, wer immer mehr Kapital für immer größere Anlagen einsetzen kann. Die so hergestellte Wettbewerbsfähigkeit ist Grundlage der deutschen Exporte. Von denen profitieren aber nur die wenigen Produzenten, die nicht auf der Strecke blieben. Im Bereich Schlachtung und Fleischverarbeitung ist die Kapitalkonzentration schon lange wesentlich höher, aber auch hier gibt es in den letzten Jahre immer weniger Betriebe mit immer höheren Umsätzen. Wie sehen aber die Arbeitsbedingungen in diesen Schlachtfabriken aus?

2014 erzählte Maria, eine Schlachthofarbeiterin aus Niedersachsen, einen ARD Fernsehteam von der Reaktion ihrer Arbeitgeber, als sie in ihrer Verzweiflung einmal drohte,
sich an einen Anwalt zu wenden. “Überleg dir das gut. Könnte ja sein, dass du auf der Straße
überfahren wirst”, lautete die kaum verschleierte Drohung der Gegenseite. Das ist kein Einzelfall, sondern bittere Realität für viele Menschen die in Ländern wie Polen, Rumänien oder Bulgarien mit großen Versprechen für die Arbeit in deutschen Schlachtfabriken angeworben werden. Viele der Arbeiter*innen haben keine Festanstellung, sondern werden über Werkverträge, die mit Subunternehmen abgeschlossen wurden, beschäftigt, sie erhalten 3 bis 5 Euro die Stunde, arbeiten teilweise 14 Stunden am Stück, sind nicht krankenversichert, wohnen mit vielen Menschen in engen Zimmern oder müssen neben den Schlachthäusern im Wald schlafen.

Da die Arbeit in den modernen Schlachthäusern so organisiert ist, dass ein Großteil der Belegschaft schnell ersetzt werden kann und es für viele Tätigkeiten keine lange Einarbeitung nötig ist, ist es für die Unternehmen nicht weiter schlimm, wenn Einzelne ausfallen, kündigen oder entlassen werden. Solange es noch genug gibt, die bereit sind nachzurücken, was angesichts zunehmender Verarmung großer Bevölkerungsschichten in Europa bis auf weiteres der Fall sein wird.

Nachdem der Druck auf die Politik und die führenden Fleischunternehmen kontinuierlich wuchs, kündigten im Januar 2014 die NGG und Vertreter der deutschen Fleischindustrie an, einen Mindestlohn von 7,75 Euro Brutto die Stunde einzuführen und diesen schrittweise auf 8,75 Euro zu erhöhen. Das gilt auch für Arbeiter*innen aus dem Ausland, die bei Subunternehmen in ihren Heimatländern angestellt sind. Da sie mitunter bis zu 300 Euro für einen Schlafplatz in einen Mehrbettzimmer und Gebühren für das Werkzeug das sie auf der Arbeit nutzen bezahlen müssen, bleibt davon jedoch nicht viel übrig.

Im Dezember 2015 unterzeichneten 6 Unternehmen eine freiwillige Selbstverpflichtung mit der sie u.a. zusicherten, in Zukunft auch Subunternehmen dazu zu verpflichten, Arbeitnehmer*innen nur nach deutschem Arbeits- und Sozialversicherungsrecht zu beschäftigen. Nach Angaben der Ernährungswirtschaft haben sich inzwischen 18 Unternehmen der Vereinbarung angeschlossen. Ein knappes Jahr später kritisierte die NGG, dass Versprechen nicht eingehalten worden seien. Weiterhin sind über 50 Prozent der Arbeiter*innen in den deutschen Schlachthäusern mit Werkverträgen beschäftigt.

Im Durchschnitt erhalten die tarifgebundenen Arbeiter*innen (nicht die Werkvertragsarbeiter*innen die etwa 50% der Belegschaft ausmachen) in deutschen Schlachthöfen 12 bis 13 Euro/Stunde, in Italien 23 und in Dänemark 25 bis 27. Durch diese extremen Niedriglöhne konnte sich Deutschland eine Vormachtstellung bei der Fleischproduktion in Europa sichern. Um mit der deutschen Konkurrenz mithalten zu können und um ebenfalls von den billigen Arbeiter*innen zu profitieren hat z.B. das dänischen Unternehmens Danisch Crown einige Standorte in Dänemark geschlossen und nach Deutschland verlagert. Ähnliches ist auch bei dem niederländischen Konzern Vion zu beobachten. Gewerkschaftsfunktionäre bezeichnen Deutschland aufgrund seines Spitzenplatzes beim Sozialdumping als „Schmuddelkind Europas“.

Der Wahnsinn und sein System

Deutschland ist Exportweltmeister. Seit Jahren beruht das hiesige Wirtschaftswachstum auf dem Überwiegen der Exporte über die Importe, geht damit auf Kosten anderer Länder. Dieses nach der Jahrtausendwende etablierte Wirtschaftsmodell wurde durch den in der selben Zeit geschaffenen Niedriglohnsektor möglich. Die deutsche Fleischindustrie konnte kräftig wachsen, weil sie das Gleiche gemacht hat, wie andere Branchen.

Fleischproduktion ist aber keine Branche wie jede andere. Sie ist ohne massive Gewalt gegen die Tiere, exzessiven Flächenverbrauch und schwere Schädigung von Wäldern und anderen Ökosystemen nicht zu haben. Und sie stößt hierzulande auf wachsenden Widerstand. Darunter sind Umweltverbände, Bürgerinitiativen die von Emissionen direkt betroffen sind, Teile der Bevölkerung, die den Widerspruch zwischen der eigenen bewussten Ernährung und der brutaleren Industrialisierung der Landwirtschaft thematisieren und auch Gruppen, die die Ausbeutung von Mensch und Tier grundsätzlich ablehnen. Hinzu kommen die Arbeiter*innen deren Interesse nach sicheren und guten Arbeitsplätzen nur scheinbar im Widerspruch zu der Forderung nach der Reduzierung oder Überwindung der Tierproduktion stehen.

Wen wir alle uns einigen und gemeinsam kämpfen würden könnten wir es schaffen die hiesige Agrar- und Lebensmittelindustrie in eine solidarische, ökologische und vegane Produktion zu wandeln. Das kann aber nur funktionieren, wenn klar ist, dass wir es nicht mit einem isolierten Misstand in einem ansonsten vernünftigen Wirtschaftssystem zu tun haben. Der Wahnsinn hat System und nur tiefgreifende Veränderungen werden daran etwas verändern.

Gehen wir es an!

Rede bei Lidl:

Heute stehen wir hier vor LIDL: Beispielhaft für viele andere Discounter und Supermärkte, die Waren aus unökologischen und ausbeuterischen Massenproduktionen anbieten und diese Waren mit Hilfe von Greenwashing besser verkaufen wollen.

Radtour: Kundgebung bei Lidl

So sieht man es zum Beispiel bei den sogenannten Tierschutzlabels beim Fleischwarenverkauf. Der gesellschaftliche Rückhalt für Massentierhaltung nimmt seit Jahren stetig ab und die Forderungen nach mehr Tierwohl und nach ökologischeren Produktionsweisen werden bei den Konsument*innen langsam lauter. 88 Prozent der Konsument*innen sollen laut aktuellen Umfragen auch bereit sein mehr Geld für mehr Tierschutz auszugeben. Doch anstatt dafür zu sorgen, dass endlich wirklich nachhaltig und ausbeutungsfrei produziert wird, entscheiden sich Einzelhandel und Politik weiter für eine Zusammenarbeit mit Konzernen, die billige Ware in Massen produzieren und dabei auf Ökologie und Ethik pfeifen. Die Politik subventioniert weiter lieber die unökologische Agrarindustrie, kleine ökologisch produzierende Betriebe werden dadurch verdrängt und gehen pleite und der Einzelhandel tut so als wäre das Fleisch im Kühlregal vom kleinen Öko-Hof von nebenan. Hilfreich sind dabei die Tierschutzlabels, die sich auf den Plastikverpackungen finden lassen. Durch diese Labels erhält der*die Konsument*in den Eindruck, dass das Fleisch aus artgerechterer Haltung kommen, und dieses Stück totes Tier irgendwas mit Tierwohl zu tun hätte. Tatsächlich versteckt sich hinter den Labels wie der „Initiative Tierwohl“, oder dem neu von Lidl eingeführten sogenannten „Haltungskompass“ weiterhin Massentierhaltung. Diese Massentierhaltung erhält lediglich einen grünen Anstrich, verursacht aber noch dasselbe Leid und die selben ökologischen Probleme wie vorher. Politik, Tierausbeutungsindustrie und Einzelhandel erkennen zwar Naturzerstörung und Ausbeutung, wollen an dieser aber zu Gunsten von Profitmaximierung festhalten. Deswegen setzen sie Hand in Hand auf Verbraucher*innentäuschung statt auf echte Veränderungen.

Greenwashing ist gängige Methode in der Produktion und im Handel: Lidl, Aldi, Rewe, Wasgau, Penny, Aldi Süd, Aldi Nord, Kaufland und Netto beteiligen sich zum Beispiel an der sogenannten „Initiative Tierwohl“. Dies ist ein freiwilliges Bündnis aus Einzelhandelsgrößen und Agrarindustrie/Fleischwirtschaft, das – wie es der Name schon verrät – mehr „Tierwohl“ in den Mastanlagen verspricht. Zu Beginn der „Initiative Tierwohl“ war auch der Deutsche Tierschutzbund im Berater*innenausschuss vertreten. Vor kurzem beendete der deutsche Tierschutzbund jedoch die Zusammenarbeit, denn bei genauem Blick entlarvt sich diese „Tierwohl-Initiative“ als eben eine solche bloße Werbe-Kampagne, deren Anforderungen an die Tierhaltung kaum über die miesen gesetzlichen Mindeststandards hinaus gehen. So bestehen die Kriterien der „Initiative Tierwohl“ lediglich aus Scheinverbesserungen:

Bei Hühnern ein paar kleine Beschäftigungsmöglichkeiten, wie ein paar kleine Heuballen und ein paar Picksteine, die sich dann zehntausende Hühner teilen sollen, oder ein paar Zentimeter mehr Platz pro Huhn in der Mastanlage, so das 23 statt 25 Hühner auf einem Quadratmeter zusammengepfercht stehen und fertig ist das Tierwohl.

Bei Schweinen sieht es ähnlich aus: Ein bisschen mehr Platz und eine Eisenkette in die Buchten gehängt und schon darf die Verpackung ein Tierschutzlabel tragen.

Ein bekannter Fleischkonzern, der immer wieder mit Tierschutzskandalen in der Öffentlichkeit auffällt ist PHW/Wiesenhof. Auch dieser nutzt die Tierschutzlabels.

PHW/Wiesenhof will sein „Tierwohl“-Angebot im Jahr 2018 auf 60 Prozent steigern. Mit großer Werbung, in der Wörter wie „Tierwohl“ oder „Fair&Gut“ groß und breit auf den Verpackungen zu sehen sind, versucht der Konzern aus einem zunehmend schlechtem Image heraus zu kommen. Scheinbar auch mit Erfolg. Immer mehr Kund*innen greifen zu „Tierwohl“-Fleisch von Wiesenhof hinter dem eigentlich Massentierhaltung steckt, weil sie denken, dass es den Tieren besser gehe. Auch PHW/Wiesenhof selbst spricht von einer „nennenswerten Entwicklung“ im Bereich der „Tierwohl-Programme“ wie „Fair&Gut“ und „Privathof“. Den Tieren in den Mastfabriken geht es währenddessen ähnlich schlecht wie bisher, nur dass ihr Fleisch unter einem „Tierwohl“-Label verkauft wird. Den einzigen denen es dann gut geht, sind Wiesenhof, Lidl, Aldi und co., denn diese finden ihr Wohl im Umsatz- und Imageplus.

Aus der Sicht von Tier-, Umwelt- und Verbraucher*innenschutz ist die „Initiative Tierwohl“ eine riesige Mogelpackung, aus Sicht der eingepferchten Tiere eine weitere Katastrophe. Auch die Schlachtbedingungen der Tiere unter den Tierschutzlabels sind die gleichen. Zusätzlich lässt sich sowieso feststellen das Tierwohl nicht existiert, wenn man Tiere einsperrt und tötet. In Akkord werden sie von Arbeiter*innen geschlachtet, zerlegt und zur fertigen Ware verpackt.

Genauso, wie dieses Unternehmen versucht Mogelpackungen an die Menschen zu bringen, hält sie auch die Arbeitsbedingungen vor Ort unter Verschluss. Unter anderem zeigt die Doku „das System Wiesenhof“ vom ARD die Missstände in den Schlachthöfen gegenüber Arbeiter*innen auf. Niedrige Löhne, Selbstbezahlung von Schlachtwerkzeugen, kleine und heruntergekommene Wohnanlagen und Druckmacherei, die massiv in das Privatleben der Arbeiter*innen eingreift sind Beispiele der täglichen Realitäten von Arbeiter*innen mit Werk- und Leihverträgen.
Wiesenhof, Rothkötter und Co sind obendrein riesige Exportunternehmen, die ihre Gewinne auch aus dem Verkauf der Ware ins Ausland ziehen. Dort werden zum Beispiel in Afrika einheimische Märkte mit billigem Hühnerfleisch überschwemmt und erdrückt.

Für Futtermittel für Tiere in Massentierhaltung werden Menschen in z.B. Lateinamerika von ihrem bewirtschafteten Stück Land vertrieben und es wird massive Naturzerstörung betrieben, worunter die Biodiversität (Pflanzen- und Artenvielfalt) leidet.
Wiesenhof, Rothkötter und Co entziehen auch hier wieder einmal Lebensgrundlagen.

PHW/Wiesenhof, ihre Unterstützerinnen wie die akuellen Machthaber*innen der demokratischen Politik der z.B. BRD und Kooperateur*innen wie Lidl und Aldi sind Mitschuld an der Klimaerwärmung, am Raubbau, der Zerstörung von Lebensgrundlagen und der unterdrückerischen Vorgehensweisen gegen Mensch, Tier und Natur. Sie profitieren von den Mogel-Labels, täuschen die Verbraucher*innen und waschen gleichzeitig ihr Image, während der Rattenschwanz der Fleischindustrie weiterhin sein Unwesen treibt – und das mit gesetzlicher Legitamation.
Zwar sind auch illegale Praktiken zum Beispiel im Bereich Landgrabbing (=Landraub) vertreten – da spielt dann auch Korruption eine Rolle, dennoch folgen aufgrund der Unübersichtlichkeit und mangelndem politischen Willens keine Konsequenzen für die Konzerne.

So verfolgt z.B. die Bundesrepublik Deutschland und natürlich viele andere Staaten lieber sogenannte „kriminelle“ Einzelpersonen, anstatt an den Ursachen der Missstände zu arbeiten, die die sogenannte „Kriminalität“ hervorrufen. Viele der Gefängnisinsass*innen in der BRD sitzen wegen Schwarzfahren ein. Ein Zeugnis der finanziellen Ungleichheit zwischen den Menschen. Entscheidungsträger*innen großer (Fleisch-)Konzerne hingegen brauchen sich um die Finanzierung ihrer Mobilität keine Sorgen zu machen, da sie einen beträchtlichen Teil des weltweiten Vermögens ihr Eigen nennen können – mit dem sie ihre ausbeuterische Praktiken finanzieren/realisieren (können) – der Profitmaximierung zur Liebe.

Was aber nun tun?
Wir denken, dass ein reiner Boykott von z.B. tierischen Lebensmitteln nicht ausreicht. Menschen müssen aktiv gegen dieses unterdrückerische System und all seinen Facetten aufbegehren. Wir müssen uns einsetzen, laut werden und aufklären damit dieser Maschinerie der Ausbeutung und Ungerechtigkeit hoffentlich irgendwann mal der Saft ausgeht.

Deshalb sind wir heute hier: um ein Zeichen zu setzen, auf die Missstände, die Wiesenhof und Co weltweit anrichten hinweisen und uns nachher zu einem Vernetzungstreffen zusammenfinden. Wer hier von den vorbeilaufenden Passant*innen mag, kann gern mitkommen oder wenn ein*e Interessiert*e gerade kein Fahrgerät zur Verfügung hat, uns gern eine Mail schreiben an: kampagne-gegen-tierfabriken@riseup.net (steht auch auf dem Flyer). Arbeiten wir an einer Welt, die Leben und Würde nicht mit Füßen tritt und in der Mensch, Natur und Tier so gut wie möglich selbstbestimmt leben können!

Wiesenhof und andere (Fleisch-)Konzerne enteignen, Kapitalismus abschaffen – für eine herrschaftsfreie, sozial und ökologisch gerechte Gesellschaft weltweit!
Solidarität mit Linksunten.indymedia und allen weiteren emanzipatorischen (befreienden) Kämpfen – für Pressefreiheit und eine Erde frei von Sexismus, Rassismus, Ableismus, Mentalismus und allen anderen Diskriminierungsformen!
Tierausbeutung den Boden entziehen!

Rede bei Cargill:

Wir stehen heut hier vor der Ölmühle und Mälzerei von Cargill, hier werden Rapsöl und Braumalz hergestellt, Getreidehandel betrieben und Rapsschrot produziert, welches als Tierfutter verwendet wird. Cargill hat weitere 12 Standorte in Dtl. Bereits letzte Woche wurde vor der Ölraffinerie in Hamburg demonstriert im Zuge der Harbour Games. Cargill ist ein US-amerikanisches Unternehmen, welches vielen wahrscheinlich nichts sagt. Aber die sind einer der Big Player in der globalen Lebensmittelindustrie. Drei Viertel des weltweiten Agrarbusiness teilen 4 Unternehmen unter sich auf, eines davon ist Cargill.

Cargill macht unter anderem mit dem Handel mit Getreide und Agrarprodukten, der Fleischproduktion sowie der Herstellung von Futtermitteln und Zusätzen für die Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie einen Umsatz von 110 Mrd US-Dollar – das ist doppelt soviel wie Unilever und immer noch 20 Mrd US-Dollar Mehr als Nestlé. Das Milliardenschwere Unternehmen ist dabei seit der Gründung ein Familienunternehmen: 90% gehören der Cargill-Familie. Cargill entzieht sich somit zu einem großen Teil der öffentlichen Verantwortung, denn Cargill muss im Gegensatz zu Aktiengesellschafen kaum Zahlen und Daten der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Die Cargill-Familie gilt als die viertreichste Familie der USA, mit 14 Milliardär*innen in der Familie, die insgesamt über ein geschätztes Vermögen von 45 Milliarden US-Dollar verfügen.

In den USA ist Cargill nicht nur größter Hackfleischproduzent mit mehreren Eigenmarken, sondern es werden insgesamt mehr als 20% des US-amerikanischen Fleischmarktes von Cargill bedient und auch ¼ des Getreideexportes aus den USA liegt in den Händen von Cargill. Doch nicht nur in den USA ist Cargill ein einflussreiches Unternehmen: So ist Cargill der größte Hühnerfleischproduzent in Thailand, um dieses Fleisch zum großen Teil von dort nach Europa zu exportieren. Obwohl gleichzeitig in Deutschland Unternehmen wie die PHW-Gruppe, zu der z.B. Wiesenhof gehört, ihre Schlachthöfe ausbauen, lassen riesige Hühnermastanlagen bauen und erhöhen ihre Schlachtzahlen kontinuierlich und exportieren wiederum das Fleisch in andere Länder.

Cargill unterhält in Dtl Kakao/Schokoladenfabriken , Produktionsanlagen für Lecithin und anderen Lebensmittelzusatzstoffe, Biodiesel/ Glyzerin, Stärken& Süßungsmittel, Texturierungsmittel, Tiernahrung, Mälzerei und die Pflanzenölraffinerien für Sonnenblumenöl, Rapsöl und auch das umstrittene Palmöl, welches vermehrt in der Kritik stand, aufgrund der ökologischen Bilanz und Vertreibung von Menschen.

Heute ist der Schwerpunkt aber, die Futtermittelproduktion für den Fleischmarkt. 75% des weltweiten Sojaanbaus wird zu Tiernahrung verarbeitet, die gesamte Fläche für den Sojaanbau entsprechen einer Fläche welches 3mal so groß ist wie Dtl. 6,3 Mio Tonnen Soja wurden 2016 nach Dtl importiert, das meiste kommt aus den Lateinamerikanischen Ländern, die führenden Ländern für den Sojaanbau sind Paraguay und Argentinien. Für den Anbau wurden 110 mio Hektar große Flächen Trockenwald dem Gran Chaco in Paraguay und Argentinien abgebrannt und abgerodet, um Sojamonokultur Plantagen anzubauen. Es werden Unmengen an Pestiziden, Dünger und Pflanzenschutzmittel, wie Glyphosat eingesetzt, welches das Grundwasser/Boden verunreinigen. Der Indigenen Bevölkerung wird jegliche Lebensgrundlage geraubt, sei es durch Landraub als auch durch Zerstörung von den Nahrungsquellen, Trinkwasserquellen und der Vegetation. Seit dem gibt es vermehrt Krebserkrankungen und Atemwegserkrankungen, in Argentinien starben 19% an Folgen von Krebserkrankungen, in den Gebieten des Sojaanbaus sind es sogar 30%. Die CO2- Bilanz der Monokulturen ist erschreckend. Illegale Rodung bleibt meist ohne Sanktionen oder anderen Folgen, deswegen stehen dem nicht viel im Weg.Es gibt keine gesetzlichen Anforderungen darüber, dass die Firmen die geografische Herkunft der Sojabohnen dokumentieren oder einen Nachweis erbringen müssen, dass es legal produziert wurde. Von daher ist es für deutsche Unternehmen, die von diesen Händlern beliefert werden, zurzeit unmöglich sicherzustellen, dass das von ihnen gekaufte Soja nicht in Verbindung mit Abholzung hergestellt wurde. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass sich Cargill öffentlich zu „Null-Entwaldung“ in ihren Lieferketten verpflichtet hat.

Auch ArbeitnehmerInnenrechte werden scheinbar bei Cargill nicht gerade hoch geschätzt und versucht gewerkschaftliche Organisierung zu verhindern, auch Union Busting genannt. Im Februar diesen Jahres wurden auf dem Gelände einer Hühner-Fabrik neun AktivistInnen festgenommen, die gegen das Union Busting des Unternehmens protestierten und lediglich ein Gespräch mit dem Management forderten.

Schaut man sich die Webseite des Konzerns an, bekommt man das Gefühl von einer heilen Welt: Lachende Familien spazieren durch Getreidefelder, glückliche gesunde Tiere stehen auf der Weide. Das Unternehmen rühmt sich zudem mit sozialen Engagement, wie z.B. der Teilnahme an Spendenläufen oder der Unterstützung lokaler Sportvereine, wie auch hier in Salzgitter. Dies ist klassisches Greenwashing und die Beschönigung von Ausbeutung und Zerstörung. Es kann und darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Cargill in großem Maße verantwortlich ist für die Abholzung des Regenwaldes mit all seinen Folgen und die milliardenfache Tötung einzigartiger Individuen.

Cargill ist verantwortlich für das millionenfache Leid von Tieren, für die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlage von Menschen und Tieren und trägt unter anderem durch seine Palm- und Sojaplantagen zum Klimawandel mit bei. Daher hoffen wir, dass Cargill verstärkt mit Widerspruch konfrontiert wird. Wir werden so lange weiter protestieren, bis Unternehmen wie Cargill aufhören Profit auf Kosten von Tieren, Menschen und Umwelt zu machen.

Wir fordern, Ausbeutungsverhältnisse zu beenden, in denen Arbeiter*innen keine Rechte haben, in denen Tiere zur Ware gemacht werden. Wir fordern ein Ende der Unterdrückungsverhältnisse, in denen die indigene Bevölkerung vertrieben wird, ihre Lebensgrundlage entzogen wird. Wir fordern eine solidarische ökologische Landwirtschaft.

Rede bei den Mastanlagen:

Nachdem wir heute schon einige Standorte auf unserer Tour besucht haben, sind wir nun beim letzten angekommen. Die beiden großen Hallen, die hier gut gesichert hinter massivem Zaun stehen, sind zwei konventionelle Hühnermastanlagen mit einer zusammengenommenen Kapazität von 84.800 Hühnern. Diese Größenordnung ist nichts seltenes, sondern der gängige Standard. Zum Teil finden sich auch 5 oder 10 solcher Hallen nebeneinander auf einem Gelände, in denen dann zusammengerechnet hunderttausende Tiere gemästet werden.

Diese beiden Mastanlagen hier werden von Christoph Gerecke betrieben und sind vor 7/8 Jahren für den zweitgrößten Geflügelkonzern Rothkötter als Zulieferer gebaut worden. Auch heute noch liefern diese Mastanlagen an die Rothkötter-Schlachtfabrik in Wietze bei Celle, die als die größte Hühnerschlachtanlage Europas gilt. Dort können bei voller Auslastung 400.000 Tiere pro Tag geschlachtet werden.

Wie in vielen Orten wo neue Mastanlagen entstehen sollen, gab es auch hier damals Protest. Eine Bürger*innen-Initiative hatte erfolgreich Unterschriften gegen den Bau gesammelt. In Üfingen – wo wir vorhin durch geradelt sind – hatten 650 von 860 Anwohner*innen gegen diese Mastanlagen hier gestimmt. Im August 2010 hatten dann einige Aktivist*innen von der frühen Kampagne gegen Tierfabriken den Bauplatz besetzt. Und als dann im Juli 2011 die Bauarbeiten fast fertig waren, gab es von bis heute unbekannt gebliebenen Menschen eine weitere Protestaktion in Form eines Brandanschlags auf die noch leeren Hallen. Dabei wurde eine Halle komplett zerstört und es entstand ein Sachschaden von einer halben Millionen Euro, aber leider wie man heute sehen kann wurde die betroffene Anlage wieder aufgebaut und erfüllt jetzt schon seit Jahren ihren zerstörerischen Zweck. Erst vorgestern sind hier wieder Rothkötters Tiertransporter vorgefahren, die Hühner wurden kistenweise mit einem Gabelstapler aus den Hallen geholt, in die LKW’s geladen und zur Fabrik in Wietze gefahren.

Bevor dir Tiere in die Schlachtfabrik kommen läuft es in der Mast folgendermaßen ab:

Nachdem die auf hohe Gewichtszunahme gezüchteten Hühner aus den Brütereien in die Mastanlagen transportiert und eingestallt werden, bleiben noch etwa 34 bis 42 Tage bis sie das Schlachtgewicht erreicht haben. In der Kurzmast ist diese Zeit sogar schon nach 28 bis 30 Tagen gekommen. Durch die Enge, die durch beispielhaft 40.000 Hühner in einer Halle entsteht und durch die zunehmend verdreckende Einstreu während der Mastperiode sind Verletzungen und Krankheiten stets einkalkuliert. Und auch die unnatürlich schnelle Gewichtszunahme durch die Überzüchtung der Hühner verursacht das Leid, was man immer wieder auf Rechercheaufnahmen von Aktivist*innen sehen kann. Tiere die nicht mehr aufstehen können, weil ihre Muskeln schneller wachsen als die Knochen und damit nicht mehr an die Trinkvorrichtungen kommen und Tiere mit schmerzhaften Entzündungen sind keine Einzelfälle. Bei solchen Anlagen wie dieser hier, stehen immer mehrere Mülltonnen bereit, wenn ihr mal in diese reinschaut, dann seht ihr wo die Tiere landen, die noch nicht mal die kurze Mastzeit überleben. Nicht mehr lebensfähige Tiere werden eingefangen, ihnen wird mit einem Knüppel auf den Kopf geschlagen – das nennt man dann betäuben – und anschließend wird ihnen das Genick gebrochen. So ist es nach Gesetz vorgeschrieben. Anschließend findet man sie in den randvollen Müllbehältern wieder.

Auch darüber hinaus besteht für die Hühner in solchen Anlagen keine Möglichkeit ihr natürliches Verhalten auszuleben. Hühner sind soziale und emphatische Individuen denen komplexe kognitive Fähigkeiten ähnlich wie bei Menschenaffen zugeschrieben werden. Sonst leben Hühner in kleinen sozialen Gruppen: Hier werden sie mit zigtausend in eine Halle gesperrt. Sonst können Hühner bis zu 10 Jahre alt werden: Hier sind es maximal 42 Tage. Statt Tageslicht gibt es Kunstlicht, keine Versteckmöglichkeiten und für Bewegung und Selbstbestimmung gibt es in der Massentierhaltung sowieso keinen Platz.

Um den aus den schlechten Lebensbedigungen der Tiere in den Anlagen heraus resultierenden Erkrankungen beizukommen, wird pro Mastdurchgang vorbeugend bei allen Hühnern Antibiotika eingesetzt. Durch diesen massiven Einsatz von Antibiotika entstehen multiresistente Keime, die auf den Menschen übertragbar sind und so gefährlich wirken, weil diese eine Antibiotikaresistenz verursachen…
Wer dann nicht in der Mastanlage stirbt wird am Ende der Mastzeit von Greiftrupps, oder von Fangmaschinen wie dem sogenannten „Chicken Cat“ aus Dänemark eingefangen und mit mehreren anderen in kleine Kisten gestopft und auf einen Tiertransporter verladen. Auch hier kommt es immer wieder zu Verletzungen wie zum Beispiel gebrochene Flügel. 7000 oder 8000 Hühner befinden sich dann auf so einem Transporter, der auch mal stundenlang, oder einen halben Tag bis zur Schlachtfabrik fährt. Die sonst für Schlachttiere geltende Tierschutz- und Transportverordnung, die eine Beförderungszeit auf 8 Stunden begrenzt, gilt für Hühner, Puten und co nicht. Bei sogenanntem Schlachtgeflügel gibt es keine wirklichen Zeit-Einschränkungen außer, dass nach über 12 Stunden Transport alle Tiere abgeladen werden müssten, um mit Futter und Wasser versorgt zu werden. Die Tiere, die auch den Transport überleben werden letztendlich in der Schlachtfabrik getötet. Allein in Deutschland betrifft das pro Jahr circa 600 Millionen Hühner.

Neben dieser Zerstörung von Leben verursacht die Massentierhaltung auch massive Naturzerstörung und Umweltbelastungen. Neben der Vernichtung von Regenwäldern für den Futtermittelanbau befördert diese Industrie durch Überdüngung auch die Nitratbelastung in Boden und Grundwasser. Durch solche riesigen Tierhaltungsanlagen mit einer so enormen Anzahl dort eingesperrter Tiere entstehen auch Unmengen an Gülle und Mist. Bei der Ausbringung von so viel Gülle gelangen klimaschädliche Gase in die Luft und viel zu viel Nitrat ins Grundwasser und von dort aus in die Bäche, Flüsse und anschließend auch ins Meer. Um die Menschen zu schützen muss die Trinkwasserversorgung heute in stark belasteten Regionen wie NRW, oder Niedersachsen schon zu aufwendigen Maßnahmen greifen, wie zum Beispiel die Mischung von zu stark mit Nitrat belastetem Wasser und sauberem Wasser. Nur so können die Grenzwerte überhaupt noch eingehalten werden.

Erst vor Kurzem verurteilte der Europäische Gerichtshof Deutschland wegen Verstößen gegen das EU-Umweltrecht. Der Vorwurf: Die Regierung hat über Jahre zu wenig gegen die Nitratbelastung unternommen. Seit 2017 gibt es nun eine neue Düngeverordnung die mit Stickstoff-Obergrenzen, größeren Abständen zu Gewässern und längeren Düngeverbotszeiten das Nitratproblem lösen soll. Ob diese neue Verordnung aber wirklich etwas bringt, ist fraglich. Ein Gutachten der agrarwissenschaftlichen Fakultät der Uni Kiel benannte die heutige Situation in Bezug auf die Belastung mit Nitrat als dramatisch und kritisierte zu viele Schlupflöcher und Ausnahmetatbestände in den Neuregelungen. Das Fazit des Gutachtens lautet: Mit der neuen Düngeverordnung wird in den Belastungsregionen kaum eine Verbesserung eintreten.

Wir dagegen hätten einen Vorschlag für eine Verbesserung dieser scheinbar unlösbaren Probleme: Beendet beispielgebend das System Massentierhaltung und baut stattdessen Produktionsstätten, welche die Freiheit der Menschen und Tiere und einen respektvollen Umgang mit der Natur gewährleisten, anstatt an Profitmaximierung durch maximale Ausbeutung festzuhalten. Das würde nicht nur unsere Trinkwasserressourcen und die Natur schonen, sondern auch unzähligen fühlenden Individuen viel Leid ersparen. Mit fühlenden Individuen meine ich auch nicht nur die Tiere, sondern auch alle Menschen die unter dieser ausbeuterischen Industrie leiden: Zum Beispiel Kleinbäuer*innen, die verdrängt werden und Werk- und Leiharbeiter*innen, die zu Niedriglöhnen in den Fabriken schuften. Wenn es so weiter geht und weiterhin der Gewinn von Konzernen über Leben und Natur gestellt wird, dann können sich irgendwann aber auch alle, die einen intakten Planeten – und heute schon alle die beispielgebend sauberes Trinkwasser – zum Leben brauchen, betroffen sehen.

Wir stehen diesem Leid und der Zerstörung heute schon gegenüber und wir sind an der Reihe etwas dagegen zu unternehmen. Neben entschlossenem Protest muss man gemeinsam an ökologischen und ausbeutungsfreien Alternativen arbeiten und bereits bestehende Alternativen unterstützen. Dabei ist es wichtig den Protest nicht einschlafen zu lassen, sonst sieht das Ergebnis aus wie hier. Es gibt aber auch jetzt schon Erfolge durch selbstorganisierten Protest: Immer wieder werden Mastanlagenbauten verhindert und die Agrar- /Fleischindustrie steht einer kritischen Öffentlichkeit und vielfältigen Protesten entgegen wie noch nie. Daran gilt es jetzt anzuknüpfen:

Kapitalistische Produktionsweisen einstellen!
Für eine ökologische und solidarische Landwirtschaft!