Aktionsrallye in Berlin: „Raus aus der Tierindustrie – Agrarwende für Klimagerechtigkeit jetzt!“

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Von Extinction-Rebellion Berlin:

Internationale Extinction-Rebellion-Woche: 100 Aktivist*innen protestierten in Berlin am internationalen Tag des kleinbäuerlichen Widerstands für globale Gerechtigkeit, Klimaschutz und Tierrechte

Berlin, 17.04.2019. Mehrere Aktivist*innen blockierten am Nachmittag den Eingang des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sowie kurzzeitig die Straße davor. Zugleich störten etwa 50 Personen den regulären Betrieb in einem REWE-Supermarkt in der Friedrichstraße. Beide Aktionen fanden im Rahmen einer Aktionsrallye durch Berlin-Mitte unter dem Motto „Raus aus der Tierindustrie – Agrarwende für Klimagerechtigkeit jetzt“ statt, zu der von Extinction Rebellion (XR) Berlin und Animal Climate Action (AniCA) aufgerufen worden war.

Über mehrere Stationen hinweg zogen Aktivist*innen am Nachmittag mit Kundgebungen und zivilem Ungehorsam vom Bauernverbandshaus am Oranienburger Tor bis zum BMEL in der Wilhelmstraße. „Mit unserem kreativen Protest möchten wir auf die existentielle Klimakrise aufmerksam machen, in der wir uns befinden. Wir müssen die klimaschädliche Landwirtschaft grundlegend umbauen, und das heißt: drastische Reduktion von Tierhaltung und Tierproduktkonsum“, berichtet Anne Lahr von Animal Climate Action, eine der Gruppen, die zur Aktionsrallye aufgerufen hatten.

Die Aktionsrallye startete mit einer Auftaktkundgebung am Haus der Land- und Ernährungswirtschaft, wo mit Redebeiträgen vom Bündnis „Wir Haben Es Satt“, von „La Via Campesina“ sowie von XR Berlin und AniCA Unzulänglichkeiten der aktuellen Agrarpolitik benannt wurden. Parallel dazu fand ein „Die-in“ vor dem Eingang des Hauses statt: mehrere Aktivist*innen legten sich wie tot zu Boden und blockierten die Zufahrtsstraße.

Die nächste Station bildete das bereits seit Jahren leerstehende Informationszentrum „Acker und Teller“ des BMEL an der Friedrichstraße, dessen Schaufenster mit wissenschaftlichen Fakten zur Klimakrise und der industriellen Landwirtschaft ausgeschmückt wurde. Der Protest führte anschließend in einem Demonstrationszug mit großer Polizeibegleitung zum Verbändehaus am Weidendamm, in dem der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie sowie der Verband der Ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland untergebracht sind. Nach einem Redebeitrag vom FoodFirst Informations- & Aktions-Netzwerk (FIAN) machten die Aktivist*innen lautstark auf die aus ihrer Sicht fatalen Folgen des Imports von Anbauprodukten und Futtermitteln aus dem globalen Süden aufmerksam.

Um auch die zentrale Rolle des Lebensmittelhandels zu benennen, störten etwa 50 Aktivist*innen im Anschluss mit einem Die-in den normalen Betrieb im REWE-Supermarkt an der S- und U-Bahnstation Friedrichstraße. Auf den mitgebrachten Schildern stand unter anderem „Fleisch frisst die Welt“ und „Climate Justice Now!“.

Parallel dazu demonstrierte eine Gruppe von Aktivist*innen im Büro der GEFA (German Export Association for Food and Agriproducts). Über seine Motivation für den zivilen Ungehorsam sagte ein Aktivist: „Die GEFA ist ohne Zweifel Teil eines neokolonialen Projektes und des extrem aggressiven und auf Export getrimmten deutschen Wirtschaftsmodells. Mit unserer Störaktion legen wir den Zusammenhang zwischen Kapitalismus, Neokolionalismus, Klimawandel, Landgrabbing und Tierausbeutung offen“.

In der Nähe des Bauernverbands und des BMEL richteten Aktivist*innen zudem Insektenweiden auf Brachflächen ein.

Auf dem Weg zur abschließenden Kundgebung bepflanzten mehrere Aktivist*innen eine Brachfläche. Den Abschluss der Aktionsrallye bildete eine Kundgebung vor dem BMEL, an deren Rande eine Kleingruppe den Eingang des Ministeriums besetze.

Mehr:
Aufruf
Fotos/Videos von der Aktionsrallye: Siehe
https://www.facebook.com/xrberlin/
https://twitter.com/XRBerlin
Instagram: xrberlin

Hintergrund:
Der Internationale Tag des kleinbäuerlichen Widerstands am 17.04. gedenkt der Ermordung von Aktivistinnen durch brasilianische Staatsgewalt. Ausgerufen wurde der Tag von La Via Campesina, einer weltweiten, kämpferischen Organisierung von Kleinbäuerinnen, Landlosen und Indigenen (https://viacampesina.org).
Die „International Rebellion Week“ der internationalen Bewegung Extinction Rebellion findet seit dem 15. April in über 30 Ländern statt. Mehr: https://rebellion.earth/

Kurzprofile:
Animal Climate Action:
Animal Climate Action (AniCA) ist eine überregionale Gruppen von Aktivist*innen. Das Ziel der Gruppe ist es, den Zusammenhang von Klimawandel und Tierproduktion deutlich zu machen – in der Klima- und der Tierrechts-/Tierbefreiungsbewegung sowie in der weiteren Öffentlichkeit. https://animal-climate-action.org/de/

Extinction Rebellion:
Die aus Großbritannien stammende Bewegung Extinction Rebellion hat für April zur „Internationale Rebellion“ aufgerufen, an der sich Dutzende Gruppen weltweit beteiligen werden. In Deutschland haben sich seit November 2018 bereits über 20 Ortsgruppen gebildet, in denen sich Menschen aller Altersgruppen engagieren. Die Bewegung stellt drei Kernforderungen: Erstens muss die Regierung die volle Wahrheit über die ökologische Krise offenlegen und gemeinsam mit den Medien die absolute Dringlichkeit des Wandels an die gesamte Bevölkerung kommunizieren. Zweitens muss die Regierung die notwendigen Maßnahmen verbindlich ergreifen, um die Netto-Treibhausgas-Emissionen in Deutschland bis 2025 auf Null zu reduzieren und das allgemeine Niveau des Ressourcenverbrauchs zu senken. Drittens soll eine Bürger_innenversammlung einberufen werden, die diese Maßnahmen begleitet und gewährleistet, dass der Wandel gerecht und demokratisch abläuft. https://extinctionrebellion.de/

 

Aktionsrallye in Berlin: „Raus aus der Tierindustrie – Agrarwende für Klimagerechtigkeit jetzt!“