Debatte um die neue Kampagne des Bundesumweltministeriums „Gut zur Umwelt. Gesund für alle.“

Kampagne gegen Tierfabriken - Bauernregeln

Via Bündnis Marxismus und Tierbefreiung

Wer in den letzten Wochen ein wenig die Nachrichtenberichterstattung über die neue Kampagne des Bundesumweltministeriums „Gut zur Umwelt. Gesund für alle.“ unter der Leitung von Barbara Hendricks (SPD) verfolgt hat, könnte denken, von diesem relativ kleinen Staatsapparat ginge eine kleine Revolution, zumindest aber eine nennenswerte Reform aus. Weit gefehlt!

Der Deutscher Bauernverband, Leitmedien der Agrarindustrie (top agrar oder Agrar-heute) und mit ihnen ihre politischen Repräsentanten (allen voran der Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt, aber auch andere aus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion) liefen medial Amok, weil das Bundesumweltministerium eine inhaltlich harmlose Bilderserie als Plakate in der Republik aufhängen lassen wollte. Auf diesen Plakaten sollten elf neue „Bauernregeln“ stehen (s. Link), um auf Probleme in der deutschen Landwirtschaft hinzuweisen. Unter anderem waren folgende Slogans bereits im Internet veröffentlicht worden: „Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Stall zu klein“, „Haut Ackergift die Pflanzen um, bleiben auch die Vögel stumm“, „Bleibt alles so, wie es ist, kräht bald kein Hahn mehr auf dem Mist“ oder „Bleibt Ackergift den Feldern fern, sieht der Artenschutz das gern“.

Den geplanten „Bauernregeln“ ist zu entnehmen, dass grundlegende und allgemein bekannte und belegbare Fakten über die #Agrarindustrie in Deutschland angesprochen werden. Die Abermillionen Tiere, die von ihr nur dafür gezüchtet werden, dass sie eines Tages für Profit getötet werden, oder die miserablen Arbeitsbedingungen, vor allem von sogenannten Erntehelfern, in der Landwirtschaft werden zum Beispiel gar nicht thematisiert. Es geht der Bundesumweltministerin lediglich um „Arten“- und Umweltschutz.

Dennoch läuft die Lobby der Agrarindustrie Sturm, weil die Kampagne mutmaßlich zum Ziel habe, „ganze Berufsgruppen pauschal (zu) diffamieren oder aus(zu)grenzen“. Die Entrüstung des Agrarkapitals und seiner politischen Vertreter zeigt aber auch, wie zentral Öffentlichkeitsarbeit in der Auseinandersetzung mit ihnen ist, wie groß ihre Angst vor einem Imageschaden ist und wie man sie treffen kann. Dass Barbara Hendricks nun eingeknickt ist und sich öffentlich entschuldigt hat, tut der Sache keinen großen Abbruch, auch wenn die Umweltministerin nun dumm aus der Wäsche guckt. Die Kampagne war tagelang zentrales Thema in der Öffentlichkeit.
Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass der Wahlkampf für die Bundestagswahl 2017 bereits begonnen hat und dass die SPD in solchen Zeiten immer „links“ blinkt (sich es dann aber doch anders überlegt, in diesem Fall, weil man in #Bayern auch Stimmen gewinnen muss), während die Profilneurosen der CDU und CSU sich zuspitzen.