Direkte Aktionen des Zivilen Ungehorsams

Den folgenden Beitrag haben wir zum großen Teilen der Homepage Tierrechtsbewegung.info entnommen.

Aktionen zivilen Ungehorsams gehören seit jeher zur Aktionskultur der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung. Hierunter sind solche Aktionen zu verstehen, die bewusst bestimmte Gesetze übertreten, um eine Position deutlich zu machen, einen Betriebsablauf zu stören, oder ein Zeichen zu setzen.

Meistens handelt es sich bei den übertretenen Gesetzen um Hausfriedensbruch und/oder Nötigung. Klassische Aktionsformen des zivilen Ungehorsams in der Tierrechtsbewegung sind etwa Ankettaktionen, Go-Ins und Dachbesetzungen. Je nach Interpretation des Begriffs können auch offene Tierbefreiungen als ziviler Ungehorsam verstanden werden. Die Aktivist*innen nehmen in Kauf, nach der Aktion strafrechtlich verfolgt zu werden, da für sie ihr jeweiliges Anliegen so dringlich ist, dass diese Gesetzesübertretung in Kauf genommen wird. Derartige Aktionen sind direkter und oft wirksamer als angemeldete Kundgebungen und Demonstrationen, haben aber den Nachteil, dass sie auf Grund der möglichen juristischen Folgen auf Dauer teuer werden können.

Unbestritten sind sie jedoch ein wirksames Werkzeug, um den jeweiligen politischen Gegner unter Druck zu setzen und ihm eindrucksvoll deutlich zu machen, dass es uns um unsere Sache ernst ist. Aktionen zivilen Ungehorsams waren in der Vergangenheit oftmals mitentscheidend für den Erfolg einer Kampagne, sodass sie als eines der wichtigsten Werkzeuge der Tierrechtsbewegung gelten können.

Bei allen Aktionsformen des zivilen Ungehorsams gilt: Vorbereitung ist das A und O! Ist die Aktion in der Form wirklich zielführend, wie erreiche ich unbemerkt das Aktionsziel, habe ich das notwendige Material, ist die Presse informiert, wer kümmert sich um mich, wenn ich in Gewahrsam genommen werde, wird die Aktion gut dokumentiert, ist eine Verletzungsgefahr ausgeschlossen, wieviele Aktive sind nötig? All das können relevante Fragen bei der Durchführung einer Aktion zivilen Ungehorsams sein.

Ankettaktionen

Bei Ankettaktionen ketten sich Aktivist*innen in der Regel mit einem Bügelschloss am Hals an einem zu blockierenden Objekt fest. So wurden bspw. Eingangstüren von pelzverkaufenden Modehäusern oder Zufahrtstore von Tierversuchslaboren oder ‘Versuchstier’-Zuchtbetrieben blockiert. Doch auch mit Handschellen oder anderen Schlössern können Aktivist*innen den eigenen Körper einsetzen, um eine nur schwer zu lösende Blockade zu werden. Sollte sich kein geeigneter Gegenstand finden lassen, an den sich die Aktivist*innen anketten können, ist es natürlich auch möglich, selbst ein solches Objekt (Auto ohne Reifen, Betonpyramide etc.) mitzubringen. Sofern gute Schlösser genutzt werden, braucht es oftmals professionelles Werkzeug, um das Schloss zu knacken, sodass die Feuerwehr anrücken muss. Unangenehm kann es werden, wenn Polizei oder Feuerwehr unmittelbar am Hals arbeiten. Verantwortungsvolle Polizist*innen und Feuerwehrleute sorgen dafür, dass die betroffenen Aktivist*innen nicht gefährdet werden. Dass die Aktivist*innen den Einsatz zahlen sollen, wurde zwar schon oft angedroht, aber bisher nach Wissensstand der Autor*innen nicht durchgesetzt.

Go-In

Diese Aktionsform ist vor allem sinnvoll, wenn kurzzeitig eine Veranstaltung oder ein Betriebsablauf gestört werden soll. So wurden häufig pelzverkaufende Modehäuser mit einem Go-In überrascht, doch auch bei Messen für Jagdbedarf, Tierversuchskongressen oder Hubertusmessen wurde die Aktionsform bereits häufig angewandt. Durch ihre Niedrigschwelligkeit können Go-Ins ohne besondere Vorerfahrung durchgeführt werden und sind zuweilen sogar spontan durchgeführt worden. Zumeist gehen die Aktiven gemeinsam in das zu störende Objekt oder starten die Aktion auf ein gemeinsames Zeichen von innen. Vom gemeinsamen Demozug, dezentralen Aktionen, Schnipselwürfen aus höheren Stockwerken, oder gar dem Übergießen einer Auslage mit Kunstblut kann das konkrete Handeln während eines Go-Ins sehr unterschiedlich sein. Klar ist: Go-Ins sind vor allem dann unangenehm, wenn der politische Gegner auf seinen guten Ruf bedacht ist, d.h. wenn Außenstehende mit anwesend sind.

Dachbesetzungen

Versammlungen vor einer Filiale oder vor dem Tierversuchslabor werden ständig untersagt oder sind aus anderen Gründen nicht möglich? Wieso nicht einfach mit einer Leiter das Vordach erklimmen und von dort aus seinen Protest kundtun? Dies zumindest ist häufig die Begründung für Dachbesetzungen, welche auf jeden Fall für die Aufmerksamkeit der anwesenden Personen und für Stress beim Protestziel sorgen. Vom Dach aus fliegen Schnipsel und Flugblätter um so eindrucksvoller. Die eingesetzte Leiter muss danach natürlich möglichst schnell verschwinden, damit die Polizei die Aktiven nicht so leicht wieder ‘entfernen’ kann.

(Sitz-)Blockaden

Sitz- oder Stehblockaden sind wohl der Klassiker unter allen Aktionen zivilen Ungehorsams. Die Symbolkraft der blockierenden Menge, die durch die schiere Anwesenheit ihrer Körper dafür sorgt, dass ein bestimmter Ablauf gestört wird, ist hoch, denn die Bilder von blockierenden Student*innen, Antifaschist*innen oder Arbeiter*innen hat jede*r schon einmal gesehen. In der Tierrechtsbewegungen wurden zumeist die Zufahrten zu Tierausbeutungsbetrieben wie Schlachtfabriken oder Tierversuchslaboren durch eine sitzende oder stehende Menge blockiert. Auch diese Aktionsform ist vergleichsweise niedrigschwellig, da es außer einem guten Plan und einer gewissen Menge mutiger Aktivist*innen nicht mehr viel braucht, um eine Blockade durchzuführen. Zuweilen entstanden Blockaden auch spontan aus anderen Protesten heraus. Sitz- und Stehblockaden können unter bestimmten juristischen Umständen nicht strafbar sein, bei konkreten Fragen könnt ihr euch gerne an unseren Antirepressions AK wenden.

Besetzungen

Gebäude lassen sich nicht nur besetzen, um sich Wohnraum anzueignen! In der Geschichte der Tierrechtsbewegung wurden bereits Büros besetzt, um Informationen zu sammeln, oder Felder, um Bauarbeiten von Tierausbeutungsanlagen zu verhindern oder hinauszuzögern. Besetzungen können provisorisch und über einige Stunden geplant sein, oder sich auch über Wochen hinziehen. In letzterem Fall organisieren die Aktivist*innen die entsprechende Infrastruktur und versuchen zumeist, das so entstandene Camp als einen Ort politischer Aktion und Auseinandersetzung zu nutzen.

Offene Befreiungen

Bei offenen Befreiungen werden Tiere aus den Stätten ihrer Gefangenschaft und Ausbeutung befreit, jedoch zeigen die Aktiven dabei ihre Gesichter und dokumentieren die Aktionen in der Regel. Hierin unterscheiden sich die Aktionen von denen der ALF, welche um jeden Preis eine Strafverfolgung vermeiden will. Am häufigsten werden Hühner befreit, was an den spezifischen Rahmenbedingungen einer offenen Befreiung liegt. Diese werden meist so durchgeführt, dass nicht nachvollziehbar ist, aus welcher Anlage die Tiere befreit wurden, sodass im Nachhinein kein Betreiber Anklage wegen Diebstahls stellen kann. Bei den enormen Mengen an Tieren in einer Anlage fällt es schlichtweg nicht auf, wenn 30 Hühner fehlen. In der Regel werden auch Anlagen ‘besucht’, deren Türen nicht abgeschlossen waren, um sich nicht des Einbruchs strafbar zu machen. Durch offene Befreiungen der Gruppe ‘Befreite Tiere’ konnten in den letzten 10 Jahren tausende Hühner sowie andere Tiere befreit werden. Es werden immer Plätze für befreite Tiere gesucht, wer also Tieren auf dem eigenen Grundstück ein sicheres zu Hause stellen kann, sollte sich beim Projekt Befreite Tiere melden!